Schlagwort-Archiv: Zweiter Weltkrieg

NEWS: Himmelreiche aus der Stadt der Engel

Historisches Allerlei von der E3

Im vergangenen Jahr schien die wichtigste Branchenmesse, die ->Electronic Entertainment Expo  (E3) arg bemüht und uninspiriert. Ein Mal im Jahr versammeln sich in Los Angeles vor allem Entwickler und Publisher von digitalen Spielen aus aller Welt, um einander und einem – teils befremdlich euphorisierten – journalistischen Publikum ihre Neuheiten vorzustellen. Die deutsche ->GamesCom im Spätsommer ist zwar die wichtigste Konsumentenmesse. In L. A. aber trifft sich etwas früher im Jahr auf der E3 alles, was die Branche an Leitfiguren aufbieten kann.

Ganz anders als im drögen Jahr zuvor sieht es nun 2018 aus, denn diese Leitfiguren und ihre Firmen präsentierten eine große Zahl von originellen und einfallsreichen Titeln. Möglicherweise war ihnen der kollektive Auftritt aus dem vergangenen Jahr selbst etwas peinlich. Viele dieser Präsentationen enthalten vielfältige historische Bezüge. Mit  dem Verweis auf je einen Trailer zur E3 überblickt daher dieser Beitrag  diejenigen Spiele, in denen geschichtliche Inszenierungen eine zentrale Rolle spielen. Alphabetisch sortiert, geht es um diese Spiele:


Anno 1800 | Assassin’s Creed Odyssey | Battlefield V | Beyond Good & Evil 2 | Cyberpunk 2077 | Fallout 76 | Shadow of the Tomb Raider | Skull & Bones | The Division 2 | Metro Exodus | World War 3


Im folgenden Beitrag sind die Spiele zunächst nach den Epochen ihrer Geschichtsinszenierung sortiert. Darunter sind Spiele zu verstehen, die sich ihre Anleihen visuell deutlich in einer vergangenen Epoche holen. Unter diese Kategorie fallen ->Assassin’s Creed Odyssey, -> Skull & Bones, ->Anno 1800 und ->Battlefield V. Danach folgen Beispiele für zeitgeschichtliche Rückkopplungen, also Spiele, in denen zeithistorische Themen aufgegriffen werden – ob nun bewusst oder unbewusst. Aufschlussreich sind dahingehend die Inszenierungen von ->The Division 2, -> World War 3, ->Metro Exodus und ->Cyberpunk 2077. Interessante Beispiele finden sich auch für eine technikkulturelle Geschichte digitaler Spiele aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln: ->Shadow of the Tomb Raider und ->Beyond Good & Evil 2. Außerdem bietet das Beispiel ->Fallout 76 einen spannenden Ausblick als  Erinnerungskulturelles Wissenssystem. Um gezielt zu bestimmten Titeln zu navigieren, klicken Sie einfach im vollständig ausgeklappten Artikel auf die Links in der alphabetischen Liste oberhalb dieses Absatzes.

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NEWS: Rückzug oder Vormarsch?

Mit Battalion 1944 kehrt das Shootergenre zum Zweiten Weltkrieg zurück

Etwa vor zehn Jahren war der Markt so übersättigt mit Digitalen Spielen, die den Zweiten Weltkrieg inszenierten, dass sich auf den virtuellen Schlachtfeldern tatsächlich so etwas wie Kriegsmüdigkeit einstellte. Nun, das betraf allerdings in erster Linie das Szenario, denn danach standen moderne Kriegsschauplätze hoch im Kurs. Sie verdrängten den Weltkrieg spätestens 2007 mit ->Call of Duty 4: Modern Warfare (via Steam) so einseitig, dass sich heute so mancher Spieler die vierziger Jahre in die Spiele zurückwünscht.

Bewusst rühren die britischen Entwickler an den Erinnerungen der Spieler über die Frühezeit der Multiplayer-Shooter und ihrer Spielmechanik – was durchaus riskant sein kann. (Battalion 1944 – Official Announcement Trailer | Kanal Bulkhead Interactive via Youtube)

Das sehen auch die jungen britischen Entwickler von ->Bulkhead Interactive so, die sich mit ->Battalion 1944 nun selbst an die Wiederauferstehung machen wollen. Der Zweite Weltkrieg soll als klassischer Team-Shooter wieder aufleben, der sich in vielen Details am klassischen Spielgefühl orientiert, aber technisch und grafisch modernen Ansprüchen genügt. Als leistungsfähiges Herz pocht immerhin die ->Unreal Engine 4 von ->Epic Games im Rumpf des Spieles. Die einbrandende postive Resonanz einer großen Zahl von Spielern auf den Start der ->Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter, führte nun zu weiteren Zielen für die Finanzierung. Bis zum Donnerstag, den 3. März können Sie sich daran noch beteiligen. Wie ein neuer Trailer zeigt, sollen neue Schauplätze wie der Pazifik und die Ostfront hinzukommen. Sogar eine Kampagne für Einzelspieler könnte nachgereicht werden.

Nach dem großen Zuspruch für ihr Projekt kündigten die Entwickler weitere Features im Trailer an, die bei höheren Erlösen realisiert werden. (Battalion 1944 – The Final Sprint Trailer | Kanal Bulkhead Interactive via Youtube)

Doch der Eindruck täuscht, dass in der Zwischenzeit kein Digitales Spiel mehr die Schreckensherrschaft des Dritten Reiches aufgegriffen hätte: 2009 räumte ein Ire im Action-Adventure ->The Saboteur das besetzte Paris von deutschen Truppen, als Scharfschütze suchten Spieler 2012 in ->Sniper Elite V2 nach Raketentechnikern der Wehrmacht und  2014 erschien der Shooter ->Enemy Front. Dass die meisten Spieler diesen Eindruck nicht teilen, zeigt aber zweierlei. Bei aller Verklärung aus Jugendzeiten scheinen erstaunlich viele von ihnen mit den Shootern der frühen 2000er herausragende Erinnerungen zu verbinden. Zweitens haben wohl die danach erschienenen Spiele nicht mehr denselben Eindruck hinterlassen.

Darin aber liegt auch für die Entwickler von ->Bulkhead Interactive ein erhebliches Risiko. Nach den Ankündigungen dürften ältere Spieler an Schlachten auf Karten wie Omaha Beach oder Market Garden bei ->Battlefield 1942 denken. Jüngere Spieler könnten erwarten, dass ihnen ein Shooter wie ->Call of Duty: Black Ops 3 bevorsteht, der einfach nur mit einem (für sie) innovativen Inhalt daherkommt. Es wird schwierig werden, diese Erwartungen gleichzeitig zu befriedigen. Jedes weitere erfüllte Etappenziel, das bei Kickstarter finanziert wird, könnte die Entwickler tiefer in einen kritischen Konflikt hineinziehen.

Außerdem gibt es heute viele Spiele, die sehr viel differenzierter historische Szenarien behandeln, als die Entwickler in ihren Videos offenbaren: Ermüdend verwechseln sie wie ihre Kollegen von vor fünfzehn Jahren historische Authentizität mit einer Materialschlacht aus korrekten Waffen, exakten Uniformen und akribisch nachgestellten Schauplätzen. Daher ist zur Zeit kaum absehbar, ob das Projekt eher einen Vormarsch des Szenarios einläuten wird… oder vielleicht doch nur wieder einen schnellen Rückzug.

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INNOVATION: Sturz der Titanen

Aus dem Orbit herabfallende Roboter sind nicht die einzige Innovation im Shooter Titanfall

Hektisch geht es auf dem Schlachtfeld zu, hektischer als an manch anderem Kampfplatz der Galaxis. Warum hier gekämpft wird, ist wohl eher zweitrangig – wo, ebenfalls. Das „Wie“ ist die entscheidende Frage. Anstelle dessen, dass alle fein säuberlich auf dem Boden rumlaufen, überspringen Soldaten mit Jetpacks ganze Etagen und Straßenzüge, stürzen sich aus Fenstern, um sich im Fallen feuernd umzudrehen, und rennen beim Schießen auch noch an Wänden entlang. Also, das mag jedenfalls so sein, wenn man genug geübt hat, ansonsten landet ein Spieler unsanft im Staub. (Hab ich mal gehört.)

Abb: Am 19. März bei uns in Hamburg zu Gast: Titan Betty in der Europa-Passage (eigenes Foto)
Abb: Am 19. März bei uns in Hamburg zu Gast: Titan Betty in der Europa-Passage (eigenes Foto)

Während sich der – mir natürlich völlig unbekannte – Spieler aufrichtet und den Staub abklopft, steht auch schon das nächste Problem vor ihm: ein haushoher Mech, ein Titan. Ist man dem so nah, sind die Zukunfts-aussichten wenig rosig. Zuerst schaut man in den Lauf, dann in die Röhre, denn als einfacher Soldat ist gegen die riesigen Metallmonster auf kurze Distanz kaum ein Kraut gewachsen. Einen Titan bringt halt nicht jeder zu Fall, denn aus seinen Läufen braucht es nur einen gezielten Schuss, und man kann die Reste des Soldaten vom Boden kratzen. Naja, gut, wenn man als Soldat nicht von Zeit zu Zeit noch ein paar Tricks auf Lager hätte. Hat hier jemand „Huckepack“ gesagt?

Der hektische Shooter ->Titanfall ist das erste Werk von ->Respawn Entertainment, was jedoch nicht bedeutet, dass dort Neulinge am Werk wären. Vielmehr sammeln sich bei dem Entwickler viele ehemalige Mitarbeiter, die nach einer für die Branche der Videospiele beispiellosen Posse im Jahr 2010 mit ihren Chefs Jason West und Vince Zampella das Studio ->Infinity Ward verließen… und, naja, „verlassen wurden“. Das Veteranenstudio zeichnete bei Publisher ->Activision Blizzard für die überzeugenderen Ableger der erfolgreichen Reihe ->Call of Duty verantwortlich. Während der unschönen öffentlichen Schlagabtausche, deren Drehbuch von Abfindungen, Abwerbungen und Geheimverhandlungen mit der Konkurrenz handelte, folgte ein erheblicher Teil des alten Teams den ehemaligen Chefs und gründete Respawn (siehe ->ActivisionBlizzard: Das „Call of Duty“-Studio implodiert, in: Spiegel Online vom 28. April 2010).

So innovativ Titanfall auch ist, bewaffnen die Entwickler auch als Respawn Entwertainment ihre Titane offenbar gerne mit narrativen Platzpatronen in leeren Worthülsen. (TITANFALL: OFFIZIELLER GAMEPLAY LAUNCH TRAILER / Kanal EA – Electronic Arts (deutsch) via Youtube)

Der Name des neuen Entwicklers ist tatsächlich auch sein Programm. Ein Spawnpoint ist in Videospielen der Ort, an dem man das Spielfeld betritt. Zunächst steht Respawn also dafür, dass man dort wieder aufersteht, sobald eine Kugel den virtuellen Bildschirmtod herbeiführt. Im Zusammenhang mit der betrieblichen Vorgeschichte aber ist der Name zudem nicht unwesentlich selbstironisch. Drittens aber, und das ist der eigentlich wichtige Kern, steht der Begriff für die selbstauferlegte Mission der Gründer, dem seit langer Zeit konzeptionell stagnierenden Genre der Multiplayershooter neue Ansätze zu verpassen.

Das bereits erschienene ->Titanfall ist ein echter Ausweis, dass Respawn diese Selbstverpflichtung auch ernst nimmt. Bei allen dadurch mit entstandenen Defiziten ist dennoch ein oberklassiger Titel herausgekommen, vollgestopft mit gelungenen Innovationen…

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KOMMENTAR: Bunkermentalitäten

Zwei Gamesredakteure werden von ihrer eigenen Chuzpe überrumpelt

Was könnte geeigneter sein, um meine neue Tätigkeit in der ->Public History an der ->Universität Hamburg einzuläuten, als sich mit dem jüngsten Aprilscherz zweier Branchenveteranen zu befassen, die schon geraume Zeit über Videospiele berichten. Es könnte kaum ein besseres Beispiel dafür geben, wie relevant es ist, sich mit dem öffentlichen Gebrauch von historischen Zusammenhängen in Medien allgemein und in der Gamesbranche im Speziellen auseinanderzusetzen. Zudem passt das Datum, an dem ich meinen neuen Job antrat – und auch das ist wohl letztlich kein Aprilscherz gewesen (siehe ->IN EIGENER SACHE: Morgendämmerung vom 9. April 2014).

Der Kanal SiegHain war zwar als Aprilscherz gemeint, erhielt jedoch so viel positives Feedback, dass er jetzt wohl doch auf Sendung geht. (SiegHain! Der neue Spielekanal / Kanal SiegHain via Youtube)

->Fabian Siegismund war lange Jahre ebenso gut gelaunter wie fundierter Redakteur bei der ->Gamestar, dem deutschsprachigen Flaggschiff im Videospielejournalismus. Mittlerweile kreuzt er auf ->Youtube unter anderem mit dem Format ->BattleBros. Er kündigte an dem von mir zunächst übersehenen Datum zusammen mit einem weiteren Youtuber einen neuen Kanal an. Dieser zweite im Bunde ist ->David Hain, der mit seinem Hauptchannel ->BeHaind recht erfolgreich ist und als einer der ehemaligen Moderatoren beim WebTV-Sender ->Giga dafür auch professionelles Rüstzeug mitbringt.

Nun wäre an dieser Nachricht nichts Besonderes, werden doch auf Webplattformen täglich neue Formate erfunden, um die Nutzer bei Laune zu halten. Wenn aber der angekündigte Kanal ->SiegHain getauft wird, die Moderatoren in Uniformen der Wehrmacht gekleidet sind, mit zeitgenössischen Pistolen hantieren und vor eine Bunkerkulisse gegreenscreent werden, seufzt der erinnerungskulturell geschulte Zuschauer zunächst einmal: „Achherrje!“ Zumal, wenn er so wie ich darauf hereinfällt und die Ankündigung für bare Münze nimmt.

Mein erstes Stirnrunzeln glättete sich jedoch, nachdem ich mir das Video mehrmals angesehen hatte. Die Vorstellung der beiden Moderatoren, die aufgegriffene Thematik und die Reaktionen von Zuschauern und Videospielern warfen einige bedenkenswerte Fragen an die deutsche Erinnerungskultur auf. Allein schon, weil dieser Trailer Anlass gibt, darüber nachzudenken, wandelte sich meine vormalige Skepsis zu vorsichtiger Unterstützung…

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NEWS: Der vergessene Krieg

Wie man den Ersten Weltkrieg in Szene setzt – und wie nicht

Der Zweite Weltkrieg wurde in Videospielen bereits so häufig aufgegriffen, dass es vor wenigen Jahren sogar gestandenen Redakteuren von Spielemagazinen zu viel wurde. Auch die Spielerschaft zeigte sich zunehmend genervt. Mit ->Call of Duty: Modern Warfare gelang dem Entwickler ->Infinity Ward 2007 ein Befreiungsschlag, indem das Setting zu dem namensgebenden modernen Kriegsgerät und – nicht ganz unumstritten – zeitgenössischen Schauplätzen schwenkte. Anstelle des Zweiten Weltkrieges werden nun aber diese seit bald zehn Jahren fortlaufend aufgegriffen. So häufig, dass sich nun die Ersten wiederum darüber aufregen.



Bereits die Modifikation Battlefield 1918 griff ab 2004 den Ersten Weltkrieg als Shooterszenario auf - und steht damit weitgehend allein. (Battlefield 1918 (V3.1) 2012 Teaser / Kanal RinoD via Youtube)

Andere Schauplätze haben es dagegen schwer. Den Ersten Weltkrieg zum Beispiel thematisiert kaum ein Spiel. Wenn doch, konzentriert sich die Anwendung bemerkenswert auf zwei Genres: Simulationen und Globalstrategie. Dies zeigte vor Kurzem Steffen Bender, der in seinem Buch ->Virtuelles Erinnern aus erinnerungskultureller Sicht untersuchte, wie Videospiele die Konflikte des 20. Jahrhunderts inszenieren. Shooter sind – anders als bei den obigen Schauplätzen – nicht darunter, obwohl die Modszene schon immer gezeigt hat, dass daran durchaus ein Kundeninteresse besteht. Modder verwandeln in Teilen oder vollständig (als Total Conversion) im Handel erhältliche Spiele mit Modifikationen (Mods) um. Auf diese Weise entstand zu dem Team-Taktik-Shooter ->Battlefield 1942 von 2002 auch die Mod ->BF1918, die das Kriegsgerät des Ersten Weltkriegs in das Hauptspiel integrierte. Adventures aber, in denen der Plot durch die Kombination von Gegenständen durchrätselt wird, oder Rollenspiele, die ihren Schwerpunkt stark auf die charakterliche Fortentwicklung der Spielfigur legen, sucht man zu diesem Kontext vergebens.

Nun sind aber gegenwärtig zwei Spiele zum Ersten Weltkrieg in der Entwicklung, die unterschiedlicher kaum mit dem historischen Stoff umgehen könnten und die gleichzeitig von dem durch Bender aufgezeigten Schema abweichen. Der eine Kandidat namens ->Verdun inszeniert den ersten industrialisierten Massenkrieg als Shooter. Im zweiten, dem Actionadventure ->Valiant Hearts: The Great War, werden fünf Figuren in die Hölle der Schützengräben hinabsteigen und – dem Vernehmen nach – nicht alle wieder heraus kommen. Auch aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive geht einer der beiden Titel im Grabenkrieg unter…

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NEWS: Was tribe ich da eigentlich?

Ein Addon zu Europa Universalis 4 scheitert an amerikanischen Ureinwohnern

In der Zeit zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert ringen zahlreiche Gruppierungen um die Macht in Europa, ihr Einfluss aber erstreckt sich im Zeitalter der großen Entdeckungen nun weit über dessen Grenzen hinaus. Im vierten Teil der Spielereihe ->Europa Universalis glänzen die schwedischen Entwickler von ->Paradox Interactive wieder in ihrer Kernkompetenz: Sie stehen seit Jahren für ebenso komplexe wie fordernde rundenbasierte Strategiespiele mit ausgefeilten historischen Szenarien. Im Falle von ->Europa Universalis IV berücksichtigt das Programm im Spielzeitraum von 1444 bis 1821 viele historische Aspekte wie zum Beispiel die religiöse Spaltung zwischen Protestanten und Katholiken vor dem Dreißigjährigen Krieg sehr gründlich.

Bekannt ist aus dem Hause ->Paradox Interactive zudem die Reihe ->Hearts of Iron, die den Zweiten Weltkrieg thematisiert. Dass der zweite Ableger zum Mittelalter unter dem Titel ->Crusader Kings 2 einen enormen Impuls in der historischen Inszenierung von Strategietiteln darstellte, weil er zum ersten Mal recht tauglich Dynastien miteinbezieht, habe ich hier im Beitrag ->INNOVATION: Die leidige Verwandtschaft vom 10. Oktober 2012 bereits ausgeführt. Doch heißt das natürlich nicht, dass sich selbst so von der Geschichte begeisterte Entwickler nicht auch mal Schnitzer leisten könnten.



Der Einzug der nordamerikanischen Ureinwohner in die Frühe Neuzeit gerät holprig. (Quelle: Entwickler-Video zum Addon / Kanal von Paradox via Youtube)

Denn das Addon „Conquest of Paradise“, das am 14. Januar 2014 zu ->Europa Universalis IV erscheinen wird, greift zwar ein bislang vernachlässigtes Thema auf. Dort werden nun die amerikanischen Ureinwohner dargestellt und als der Anführer eines ihrer Stämme kann man sie nun zu Ruhm und Ehre führen. Das schließt sogar die Option ein, sie unter der eigenen Führung zu einen. Durchaus werden dabei die geografischen Begebenheiten durch die Entwickler berücksichtigt, die Lage der Siedlungsgebiete sowie die großen Distanzen dazwischen und ihre Veränderungen mit der Zeit. Sogar spezifische Gebäude und andere Errungenschaften der Stämme werden abgebildet.

Leider steht in diesem Ergänzungsprogramm zum Haupttitel jedoch voraussichtlich die Spielmechanik einer plausiblen Einbettung der nordamerikanischen Ethnien im Wege. Wenn man noch mit viel gutem Willen in der Frühen Neuzeit Europas eine beginnende Staatskultur mit abgeschlossenen territorialen Grenzen hinnehmen kann, die sich in der Auseinandersetzung um relativ feste geografische Provinzen niederschlägt, ist dies doch für teils sesshafte, teils nomadisierende Ureinwohner Nordamerikas fragwürdig. Zwar hat Paradox versucht, die Wanderungen von Stämmen spielmechanisch zu integrieren, doch hat man es neben dem fehlenden Konzept von Territorien eben auch nicht mit vergleichbaren Führungsstrukturen zu tun, die zentral durch den Spieler zu lenkende Forschung, Kriegsführung und wirtschaftliche Entwicklung plausibel rechtfertigen ließen.

Auch wenn sich Paradox bemüht, zum Beispiel durch besondere Verzweigungen der Entwicklungsbäume eine Andersartigkeit der Stämme gegenüber Europa herauszuarbeiten, steht das spielmechanische Grundgerüst einer wirklichen Abbildung von Stammeskulturen leider entgegen. Dass ein Bewusstsein für dieses Problem letztlich fehlt, ist auch an verschiedenen Äußerungen im Trailer zu bemerken, wenn von „Staaten“ oder „Ländern“ der Ureinwohner die Rede ist.

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KOMMENTAR: Last Day of „Fallujah“

Umstrittenes Kriegsspiel „Six Days in Fallujah“ vor dem Aus

Die letzten Tage des Jahres 2004 waren die fürchterlichsten in der jüngeren Geschichte von Fallujah. Als amerikanische Truppen im November 2004 in die irakische Stadt stürmten, blieb kaum ein Stein auf dem anderen. In einem der schwersten Gefechte überhaupt in dem zerrissenen Land, verloren mindestens 1200 Iraker ihr Leben – doch wer glaubt schon daran, dass in einer übel mitgenommenen Stadt im Zweifel alle Opfer gefunden wurden. Andere Quellen schreiben von 1500 Toten, doch wie sollte man bei dieser Zahl beschwören, dass auch sie ausreichen würde. Über Verletzte schweigen sich alle Angaben aus.  Zudem war und ist der Erfolg der Offensive stark umstritten. Noch immer gilt Fallujah als Hochburg von radikalen Islamisten.

Marines und Atomic Games wagen sich in vermintes Gebiet
Marines und Atomic Games wagen sich in vermintes Gebiet (Quelle: Atomic/Konami)

Laut Informationen des PC-Spiele-Magazins ->Gamestar ließ schon wenige Wochen nach den Gefechten ein US-Publisher namens ->Destineer Publishing die Rechte an dem Namen „Six Days in Fallujah“ eintragen. Damit hatte man – um es vorsichtig auszudrücken – recht früh ein Interesse an der Kulisse dieser Auseinandersetzung für ein Videospiel angemeldet. Offenbar trifft man aber mit diesem Setting empflindliche Nerven, denn seit der Ankündigung des Taktik-Shooters im März 2009 durch den Publisher Konami hagelte es Kritik in der Weltpresse. Konami ruderte schließlich reuig zurück (->Quelle) – eine Veröffentlichung des Shooters wird es bei dem Publisher nicht mehr geben.

Es drängt sich natürlich schon die Frage auf, warum die Öffenlichkeit so aufgebracht reagiert, wenn die Stadt Fallujah in einem Videospiel erscheint. Etwas weitgehend Normales scheint es doch längst zu sein, wenn in Spielen deutsche Tigerpanzer in den Ardennen rollen oder amerikanische Phantombomber den vietnamesischen Dschungel mit Napalm einäschern. Warum also die Empörung? Liegt es an der zeitlichen Nähe? Oder an der Perspektive? An den Qualen der Verletzten und Sterbenden oder dem Leid der Hinterbliebenen auf Seiten der US-Soldaten wie der Iraker?

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