Schlagwort-Archiv: Epic Games

NEWS: Rückzug oder Vormarsch?

Mit Battalion 1944 kehrt das Shootergenre zum Zweiten Weltkrieg zurück

Etwa vor zehn Jahren war der Markt so übersättigt mit Digitalen Spielen, die den Zweiten Weltkrieg inszenierten, dass sich auf den virtuellen Schlachtfeldern tatsächlich so etwas wie Kriegsmüdigkeit einstellte. Nun, das betraf allerdings in erster Linie das Szenario, denn danach standen moderne Kriegsschauplätze hoch im Kurs. Sie verdrängten den Weltkrieg spätestens 2007 mit ->Call of Duty 4: Modern Warfare (via Steam) so einseitig, dass sich heute so mancher Spieler die vierziger Jahre in die Spiele zurückwünscht.

Bewusst rühren die britischen Entwickler an den Erinnerungen der Spieler über die Frühezeit der Multiplayer-Shooter und ihrer Spielmechanik – was durchaus riskant sein kann. (Battalion 1944 – Official Announcement Trailer | Kanal Bulkhead Interactive via Youtube)

Das sehen auch die jungen britischen Entwickler von ->Bulkhead Interactive so, die sich mit ->Battalion 1944 nun selbst an die Wiederauferstehung machen wollen. Der Zweite Weltkrieg soll als klassischer Team-Shooter wieder aufleben, der sich in vielen Details am klassischen Spielgefühl orientiert, aber technisch und grafisch modernen Ansprüchen genügt. Als leistungsfähiges Herz pocht immerhin die ->Unreal Engine 4 von ->Epic Games im Rumpf des Spieles. Die einbrandende postive Resonanz einer großen Zahl von Spielern auf den Start der ->Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter, führte nun zu weiteren Zielen für die Finanzierung. Bis zum Donnerstag, den 3. März können Sie sich daran noch beteiligen. Wie ein neuer Trailer zeigt, sollen neue Schauplätze wie der Pazifik und die Ostfront hinzukommen. Sogar eine Kampagne für Einzelspieler könnte nachgereicht werden.

Nach dem großen Zuspruch für ihr Projekt kündigten die Entwickler weitere Features im Trailer an, die bei höheren Erlösen realisiert werden. (Battalion 1944 – The Final Sprint Trailer | Kanal Bulkhead Interactive via Youtube)

Doch der Eindruck täuscht, dass in der Zwischenzeit kein Digitales Spiel mehr die Schreckensherrschaft des Dritten Reiches aufgegriffen hätte: 2009 räumte ein Ire im Action-Adventure ->The Saboteur das besetzte Paris von deutschen Truppen, als Scharfschütze suchten Spieler 2012 in ->Sniper Elite V2 nach Raketentechnikern der Wehrmacht und  2014 erschien der Shooter ->Enemy Front. Dass die meisten Spieler diesen Eindruck nicht teilen, zeigt aber zweierlei. Bei aller Verklärung aus Jugendzeiten scheinen erstaunlich viele von ihnen mit den Shootern der frühen 2000er herausragende Erinnerungen zu verbinden. Zweitens haben wohl die danach erschienenen Spiele nicht mehr denselben Eindruck hinterlassen.

Darin aber liegt auch für die Entwickler von ->Bulkhead Interactive ein erhebliches Risiko. Nach den Ankündigungen dürften ältere Spieler an Schlachten auf Karten wie Omaha Beach oder Market Garden bei ->Battlefield 1942 denken. Jüngere Spieler könnten erwarten, dass ihnen ein Shooter wie ->Call of Duty: Black Ops 3 bevorsteht, der einfach nur mit einem (für sie) innovativen Inhalt daherkommt. Es wird schwierig werden, diese Erwartungen gleichzeitig zu befriedigen. Jedes weitere erfüllte Etappenziel, das bei Kickstarter finanziert wird, könnte die Entwickler tiefer in einen kritischen Konflikt hineinziehen.

Außerdem gibt es heute viele Spiele, die sehr viel differenzierter historische Szenarien behandeln, als die Entwickler in ihren Videos offenbaren: Ermüdend verwechseln sie wie ihre Kollegen von vor fünfzehn Jahren historische Authentizität mit einer Materialschlacht aus korrekten Waffen, exakten Uniformen und akribisch nachgestellten Schauplätzen. Daher ist zur Zeit kaum absehbar, ob das Projekt eher einen Vormarsch des Szenarios einläuten wird… oder vielleicht doch nur wieder einen schnellen Rückzug.

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NEWS: Der pure Hass

In „Hatred“ versetzt ein polnischer Entwickler Spieler in die Haut eines Amokläufers

Lange hab ich mit mir gehadert, ob ich über dieses Spiel schreiben soll – stehe ich doch eigentlich jeder Zensur im Segment von Spielen für Erwachsene sehr ablehnend gegenüber. Wenn man den Jugendschutz im öffentlichen Raum gegen die Freiheit der Medienkunst abwiegt, muss für mich die Freiheit von staatlichem Eingriff immer Vorrang haben, solange ein Videospiel durch die ->Unterhaltungsoftware Selbstkontrolle (USK) klar als Titel für Erwachsene ausgewiesen ist. Nicht jedes Spiel aber macht mir diese Haltung leicht, zumal wenn seine Entwickler absichtlich provozieren.

„Hatred“ ist ein solcher Fall, der mir große Bauchschmerzen bereitet. Deshalb sehe ich auch in diesem Beitrag mit voller Absicht von Links, Bildern oder Videos zu diesem Projekt ab. In dem 3rd-Person-Shooter auf isometrischen Karten führt ein Spieler einen Amokläufer durch grauschwarze Stadtgebiete, deren einzige Farbkleckse von ansehnlichen Explosionen und spritzenden Blutfontänen herrühren. Dabei ist es die einzige Aufgabe des langhaarigen Protagonisten im schwarzen Ledermantel, möglichst viele Menschen aus Hass auf die Menschheit umzubringen.

Kritisiere ich also, dass Amokläufe damit zum Thema eines Videospieles werden? Nein, Spiele sollten sich als Kunstform und Kulturgut mit jedem Inhalt befassen dürfen, der Menschen umtreibt. Liegt es daran, dass hier zahlreiche Opfer und ihre Familien auf plumpeste Weise verhöhnt werden? Nein, auch wenn ich mir bewusst bin, dass ein solches Videospiel der bewusste Schlag ins Gesicht von Menschen ist, die Angehörige an amoklaufende Massenmörder verloren haben. Eine Gesellschaft muss widerstrebende Interessen aushalten können. Verbote verhindern Diskurse nicht, sondern verlagern sie nur in die Schattenregionen der Öffentlichkeit. Das ist meine feste Überzeugung. Verurteile ich das Spiel dann, weil man die aktive Rolle des Protagonisten einnimmt? Nein, noch nicht einmal das halte ich für das Problem des Spieles. In vielen Videospielen nehmen wir Nutzerinnen und Nutzer spielerisch die aktive Rolle von Protagonisten ein, deren Verhalten wir im alltäglichen Leben niemals nachahmen oder gutheißen würden.

Meine scharfe Ablehnung gegen „Hatred“ liegt im Gegenteil an anderen, nicht weniger zentralen Punkten… Weiterlesen

NEWS: Motor Show

Auf der GDC in San Francisco enthüllten mehrere Entwickler neue Engines

Die ->Game Developer Conference (GDC) in San Francisco ist wohl die renommierteste Adresse für Spieleentwickler weltweit, um sich auszutauschen und neue Entwicklungen vorzustellen. Dieses Jahr werden auch wieder Fortentwicklungen von Game-Engines präsentiert, die zeigen, wohin sich Videospiele mittelfristig in ihren grafischen Fähigkeiten hin bewegen werden.

Massive Entertainment meldet sich durch die Snowdrop Engine mit einem Paukenschlag zurück. (Snowdrop Engine GDC 2014 / Kanal Ubisoft via Youtube)

Für mich als großen Bewunderer der Videospiele des schwedischen Entwicklers ->Massive Entertainment war besonders erfreulich, welche herausragende und wegweisende Technik sie mit der Snowdrop-Engine für ->Tom Clancy’s: The Division erschaffen. Beruhigend ist,  dass ->Ubisoft nach dem unglücklichen Aufkauf des Studios 2009 (siehe NEWS: ->Geplünderter Weltuntergang vom 23. Juli 2009) doch mit dem dortigen Talent besseres vorhat, als die Entwickler lediglich an Social Mobile Games herumfrickeln zu lassen,  das Distributionssystem ->UPlay für PC zu verantworten oder einen ->Multiplayermodus für Far Cry 3 zu entwickeln .

Auch andere Hersteller haben dort neue Technik-Motoren für Videospiele präsentiert. Die Videos sehen Sie unkommentiert in diesem Beitrag…

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INNOVATION: Van Damme nochmal!

Dem Addon Blood Dragon von Far Cry 3 gelingt eine Persiflage auf die Achtziger

In den actionlastigen Achtzigern entstanden sicher auch ein paar Perlen des Actionkinos wie ->Rambo oder ->Total Recall. Angesichts einer breiten Flut aber an qualitativ eher fragwürdigen Verschwendungen von Zelluloid in diesem Jahrzehnt rafften sich die wenigsten Zuschauer noch auf, ins Kino zu gehen. Sicher, dafür gab es auch andere Gründe wie das Privatfernsehen, aber nicht unwesentlich waren daran Actionmachwerke von Schwarzenegger, Stallone, van Damme, Dolph Lundgren und auch Chuck Norris beteiligt. Letzterer möge mich jetzt bitte nicht heimsuchen. Fehlenden Inhalt ersetzten markige Sprüche und Special Effects, um die sich eine bestenfalls noch notdürftige Handlung hangelte.

Während sich auf den neongrellen Schlachtfeldern gefrässige Laserechsen durch Cyborgs futtern, steht man gelegentlich staunend und fassungslos daneben. (Abb. eigener Screenshot)
Während sich auf den neongrellen Schlachtfeldern gefrässige Laserechsen durch Cyborgs futtern, steht man gelegentlich staunend und fassungslos daneben. (Abb. eigener Screenshot)

Hinzu kam eine fragwürdige musikalische Entwicklung in diesem Jahrzehnt, die aufgrund neuer technischer Optionen mehr elektronischen Minimalismus ausprobierte, als dem Trommelfell zuträglich war. Passend dazu erscheint im Nachhinein der Farbgeschmack bei den Klamotten. Oder, ach, nehmen wir die Frisuren! Vokuhila – vorne kurz hinten lang, möglichst noch mit dünnem Schnauzbart. Wer kommt eigentlich auf so etwas? Oder, was ganz anderes, haben Sie schon mal dünne Lederschlipse gesehen? Jaja, hat nie jemand getragen, so wie auch niemand je die Bild liest, schon klar. Und jetzt reden Sie sich nicht damit raus, dass Sie damals auf dieser oder jener Seite des eisernen Vorhangs gelebt hätten: Ost wie West nahmen sich da überhaupt nichts. Das offenbarte sich schnell, als sich eben dieser Vorhang hob.



Die überdrehte Handlung, die Neon-Optik, die Klänge vom Synthesizer, die Szenarien des Kalten Krieges, Cyborgs und Laserdrachen atmen den Geist der Achtziger Jahre. (Launch Trailer / Kanal Ubisoft via Youtube)

Während die Einen also, so wie ich (auch um der eigenen Vergangenheit willen), diese Episode am liebsten aus der Geschichte tilgen würden, wie Echnatons ägyptische Nachfahren die Erinnerung an den Sonnenkultisten, wählen andere die Methode der Konfrontation. Mit dieser haben die kanadischen Schöpfer von ->Far Cry 3 bei ->Ubisoft Montréal den Achtzigern ein besonderes, ein satirisches Denkmal gesetzt. Erst der Erfolg dieses Spieles erst machte es den Entwicklern von ->Ubisoft Montréal möglich, in einem bemerkenswerten erinnerungskulturellen Rundumschlag die Achtziger aufs Korn zu nehmen. Auf diese Weise entstand das Addon ->Far Cry 3: Blood Dragon, das eigenständig, ohne das Hauptprogramm lauffähig ist. Dabei unterlassen die Entwickler es nicht, auch verschmitzt gegen Eigenarten der damaligen wie gegenwärtigen Spielebranche auszuholen…

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KOMMENTAR: Duty Prolls

Ironisch und zielgenau trifft das Werbespiel „Duty Calls“ die Schwächen des Shooter-Genre

Mit dem Genre der Shooter-Spiele ist das so eine Sache: einerseits handelt es sich dabei wohl um die Prestige-Sparte, die ein Entwicklerstudio quasi zum Adel der Branche führen kann, andererseits krankt das Genre regelmäßig an weitgehendem spielmechanischen Einheitsbrei, inspirationslosem Level- und Szenariodesign und oft derartigem US-zentrierten und triefenden Patriotismus, dass es einem klar denkenden Menschen Tränen in die Augen und Blut aus den Ohren treibt.

"Bla, bla, bla, Secret Things, bla, bla, bla."
"Bla, bla, bla, Secret Things, bla, bla, bla."

Die Entwickler von ->People Can Fly und ->Epic Games, verantwortlich für den auch nicht sonderlich herausragenden Shooter ->Bulletstorm, haben nun in einem eigens programmierten ->Download-Spielchen diese Schwächen gekonnt auf die Schippe genommen. In Anlehnung an eines der großen Genre-Flagschiffe  „Duty Calls“ genannt, trägt es den verdrehten Namen der „->Call of Duty„-Reihe des Branchen-Riesen ->Activision.

Dies ist nicht nur eine Wohltat für geplagte Spielerherzen – auch wenn KEIMLING dem Shooter-Genre nicht prinzipiell abgeneigt ist (s. z.B. die teamlastige Battlefield-Reihe mit ihren herausragenden Ablegern unter dem Titel ->Bad Company, vgl. ->RETRO: In schlechter Gesellschaft vom 18. Januar 2010).  Darüber hinaus ist diese offene Persiflage auch eine Seltenheit in einem ansonsten eher von millionenschweren Marketingblasen hochgejubelten Genre…

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