Schlagwort-Archiv: Diktatur

NEWS: Der Erbschleicher

Die Neuauflage der Thief-Reihe könnte endlich wieder ein waschechtes Schleichspiel werden

In den vergangenen Jahren ist ein wenig in Vergessenheit geraten, dass man aus der Ich-Perspektive nicht nur mit dem Schießeisen auf Gegner halten kann. In gegenwärtigen Shootern werden jeweils für die Missionen unterschiedliche, hochdetaillierte Umgebungen konstruiert, die dann nach wildem Galopp in wenigen Minuten hinter dem Spieler liegen. Aus Entwicklersicht eine völlig ineffiziente Spielweise, müssen so doch erheblich mehr Inhalte geschaffen werden, als wenn ein Spieler sich länger mit einem Ort befassen müsste. Erschafft man da nicht genug Kulissen, fällt die Spielzeit zu gering aus und die Kunden verzichten darauf, dafür fünfzig Euro zu berappen. Aber die Spieler wollen das doch, klingt einem von Entwicklern dann entgegen. Ja? Alle? Wollen sie das wirklich?



Weit besser als der Launch-Trailer führt eine ausführliche Version in die Erzählung, die Spielwelt und die Mechanik ein. (Thief 101 Trailer / Kanal Thief via Youtube)

Einst gabe es ein Genre, indem Geduld und Ruhe Trumpf waren, und das dennoch in weitläufigen, für damalige Verhältnisse sehr detaillierten Umgebungen seine Geschichten spann. Die Ruhe entstand aber nicht durch rundenbasierte Züge wie in ->Heroes of Might and Magic, sondern trotz einer echtzeitberechneten Spielwelt, indem man sich in schattige Nischen flüchtete, um das weitere Vorgehen in Ruhe zu planen. Spielziele wurden dort nicht mit Schrot erreicht, sondern durch massiven Hirneinsatz und Geduld, um geduckt in die Schatten, mit spitzer Zunge und, ja, gelegentlich auch scharfen, aber lautlosen Waffen auf leisen Sohlen durchzuschleichen. Dabei galt es Laufwege und Sichtlinien von Wachen auszukundschaften, Schlösser zu knacken und Informationen zu sammeln – sei es aus Safes oder von Personen. Das Genre der Schleichspiele war schon vor zehn Jahren nicht dominant, aber doch beachtlich. Mir hat sich nie erschlossen, warum es dafür heute keinen Markt geben sollte.

Nun erscheint am 28. Februar mit ->Thief endlich wieder ein Videospiel als Hoffnungsträger für das Genre und tritt damit ein großes Erbe an. Nicht, dass es nicht schon zuvor Ansätze in Spielen für Heimlichtuerei gegeben hätte, seit die Thief-Reihe inmitten der 2000er in der Versenkung verschwand. Anleihen daran nahmen nach 2004 vor allem die ->Splinter Cell-Spiele, die das Konzept in ein modernes Agentensetting übertrugen, mittlerweile allerdings auch in Casualisierung und Actiongeballer versumpfen. Gerade aber die jetzigen Entwickler der Neuauflage von ->Thief bei ->Eidos Montréal verhalfen mit ->Deus Ex: Human Revolution bereits 2011 einer anderen legendären Marke behutsam zu neuem Atem. Dort aber entschied, wie der Spieler die Hauptfigur fortentwickelte, über die Spielweise als Shooter oder Schleicherei. Ein klares Bekenntnis zur ursprünglichen Spielweise des Genres liefert jetzt erst die Neuauflage des Diebeszugs…

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DGBL: Thou Shalt Not Pass

Öffnet sich eine Diktatur heißt es: „Papers, Please“

Der Auftakt für ein gefährliches Spiel - Die
Grenzen werden geöffnet (Quelle: Banner / Offizielle Seite)
Der Auftakt für ein gefährliches Spiel - die Grenzen werden geöffnet. (Quelle: Banner / Offizielle Seite)

Der Alltag ist eine Katastrophe, Jobs sind Mangelware, der Familie fehlt es am Nötigsten. Da freut es einen doch, wenn die Idioten in der Regierung des Landes Arstotzka nach Jahren der Isolation die Grenzen öffnen. Wobei… werden wir besser nicht zu laut, denn noch immer ist das Land eine Diktatur, die Totalitarismus spielt. Außerdem hat deren staatliche Job-Lotterie ja gerade mich mit einer aufregenden Aufgabe betraut, und die wird sogar bezahlt: Grenzbeamter am gerade erst eingerichteten Übergang. Also, psst, Füße und Mundwerk still halten.

In dem unter anderen auch auf der Plattform ->Steam von ->Valve erhältlichen Downloadspiel ->Papers, Please! von Entwickler 3909 (namentlich ->Lucas Pope) sind nach Jahren ohne Außenkontakte die Schlangen am Schalter unfassbar lang. Der Grenzposten, schmucklos und grau, wie man es von einer waschechten Diktatur erwartet, ist mit allem Notwendigen ausgerüstet, um Einreisewillige abzufertigen. Allein die Einweisung ist sehr knapp und bürokratisch. Ein Schalterplatz, ein Stempel, die täglich wechselnden Einreisebedingungen und ein Stapel Informationen über Nachbarländer und deren Behörden.

Die sollen helfen, gefälschte Dokumente zu erkennen und die Ausschlusskriterien der Regierung einzuhalten. Was sie auch würden, wenn man nicht nach der bearbeiteten Fallzahl bezahlt werden würde. So bleibt im fortschreitenden Spielverlauf immer weniger Zeit je Fall, die Anträge werden immer komplizierter, Anordnungen widersprechen sich und die außen- und innenpolitische Lage wird immer unübersichtlicher. Erst, wenn die Papiere gültig sind, kann der grüne Stempel zur Einreise draufgehämmert werden.



Sind die Grenzen erst einmal offen, gibt es reichlich Einreisewillige nach Arstotzka. (Quelle: Offizieller Trailer / Kanal des Entwicklers dukope1 via Youtube)

Bald wird erkennbar, welche Macht der Grenzbeamte mit seinem Stempel hat, aber auch welche Gefahren ihm und seiner Familie blühen. Hinzu kommen die Folgen seiner Entscheidungen für die Einreisewilligen, für den Staat und für den aufkeimenden Widerstand, die zu immerhin zwanzig verschiedenen Enden führen…

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RETRO: Paintball

Mit Farbe bekämpft ein hüpfender Ball das graue Unrechtsregime in „de Blob“ für die Wii

Auf einer wunderschönen, farbenfrohen Welt leben kleine verschiedenfarbige Gestalten mit knuffigen Proportionen und genießen ihr Regenbogenleben. Doch wie bekannt ist, kann der friedlichste Mensch nicht ruhig leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Als sich dunkelgraue Schiffe der INKT mit fiesen kleinen grauen Mickerzwergen aus dem Weltall über die Städte schieben, beginnt eine Invasion, die buchstäblich die Farbe aus dem Leben der Planetenbewohner saugt.


Die neuen Herren mögen hassen das bunte Leben - aber deBlob schmiert sie an
Die neuen Herren hassen das bunte Leben, aber deBlob schmiert sie an

Es ist jedoch nicht nur die Welt, die zu leiden hat – auch die kleinen Wesen werden ihrer Lebensfreude beraubt. Der feindliche Machtapparat treibt sie mit Waffengewalt zusammen, steckt sie in Umerziehungsgebäude und saugt ihnen ihre Farben aus. Traurig trotten sie schließlich aus der Rekonditionierung und sind ebenso grau wie ihre Herren. Zwar sind diese Zwischensequenzen sehr humorvoll in Szene gesetzt, dennoch bleibt eine leicht beklemmende Atmosphäre, die dem Spieler ein wenig Bleiche ins Gesicht treibt.


Graue Raumschiffe am Himmel - hier kommt mal nichts Gutes von oben

->de Blob gibt sich aber so einfach nicht geschlagen und leistet Widerstand seit seiner Veröffentlichung 2008. Die titelgebende, kugelrunde Hauptfigur des Spiels wurde ursprünglich nicht vom australischen Developer ->Blue Tongue erschaffen, sondern entstand an einer niederländischen Hochschule durch Informatikstudenten aus Utrecht.

Für seinen Widerstandskampf nimmt deBlob den Invasoren kurzerhand die gestohlenen Farben wieder ab, und schmiert sie in der Welt herum, indem er gegen Gebäude springt oder etwa über Bänke und Bäume rollt. Die neuen Herrscher halten sich jedoch nicht lange damit auf, irritiert zu sein, und setzen ihm alles entgegen, das sie aufbieten können.

Eine spritzige und humorvoll erzählte Geschichte entspinnt sich – ist jedoch nicht zentral für das Spiel. Eigentlich lebt es von seiner unvergleichlichen Spielmechanik, für die man die Wii und ihre Controller hätte erfinden müssen, hätte es sie nicht schon gegeben…

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