RETRO: Paintball

Mit Farbe bekämpft ein hüpfender Ball das graue Unrechtsregime in „de Blob“ für die Wii

Auf einer wunderschönen, farbenfrohen Welt leben kleine verschiedenfarbige Gestalten mit knuffigen Proportionen und genießen ihr Regenbogenleben. Doch wie bekannt ist, kann der friedlichste Mensch nicht ruhig leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Als sich dunkelgraue Schiffe der INKT mit fiesen kleinen grauen Mickerzwergen aus dem Weltall über die Städte schieben, beginnt eine Invasion, die buchstäblich die Farbe aus dem Leben der Planetenbewohner saugt.


Die neuen Herren mögen hassen das bunte Leben - aber deBlob schmiert sie an
Die neuen Herren hassen das bunte Leben, aber deBlob schmiert sie an

Es ist jedoch nicht nur die Welt, die zu leiden hat – auch die kleinen Wesen werden ihrer Lebensfreude beraubt. Der feindliche Machtapparat treibt sie mit Waffengewalt zusammen, steckt sie in Umerziehungsgebäude und saugt ihnen ihre Farben aus. Traurig trotten sie schließlich aus der Rekonditionierung und sind ebenso grau wie ihre Herren. Zwar sind diese Zwischensequenzen sehr humorvoll in Szene gesetzt, dennoch bleibt eine leicht beklemmende Atmosphäre, die dem Spieler ein wenig Bleiche ins Gesicht treibt.


Graue Raumschiffe am Himmel - hier kommt mal nichts Gutes von oben

->de Blob gibt sich aber so einfach nicht geschlagen und leistet Widerstand seit seiner Veröffentlichung 2008. Die titelgebende, kugelrunde Hauptfigur des Spiels wurde ursprünglich nicht vom australischen Developer ->Blue Tongue erschaffen, sondern entstand an einer niederländischen Hochschule durch Informatikstudenten aus Utrecht.

Für seinen Widerstandskampf nimmt deBlob den Invasoren kurzerhand die gestohlenen Farben wieder ab, und schmiert sie in der Welt herum, indem er gegen Gebäude springt oder etwa über Bänke und Bäume rollt. Die neuen Herrscher halten sich jedoch nicht lange damit auf, irritiert zu sein, und setzen ihm alles entgegen, das sie aufbieten können.

Eine spritzige und humorvoll erzählte Geschichte entspinnt sich – ist jedoch nicht zentral für das Spiel. Eigentlich lebt es von seiner unvergleichlichen Spielmechanik, für die man die Wii und ihre Controller hätte erfinden müssen, hätte es sie nicht schon gegeben…

Mit Schlägen der WiiMote, die nach unten gerichtet sind, können die Spielenden de Blob zu Sprüngen veranlassen, mit denen er je nach seiner Größe in unterschiedliche Höhen gelangen kann. Denn je mehr Farbe der kleine Held aufnimmt, umso voluminöser wird er – freilich nicht unbegrenzt. Der Controller des Nunchuk lenkt deBlob in der Ebene, so dass mit den Schlagbewegungen der WiiMote die aberwitzigsten akrobatischen Einlagen möglich werden. Dabei – er ist nun mal eine Kugel – zerrt eine gewisse Trägheit an ihm, die es schwer macht, abrupt die Bewegungsrichtung zu ändern. Allein hierfür ein „Ballgefühl“ zu entwickeln, ist schon ein gehöriger Spaßfaktor.

Denn die Steuerung wird besonders dann kniffelig, wenn Hindernisse im Weg liegen wie zum Beispiel durchbrochene Brücken oder große Wasserlachen, die deBlob schlagartig seiner Farbe und damit seiner Kräfte berauben. Dann heißt es, erneut Farbe bunkern. Diese Farbeinheiten schluckt der kugelige Held, indem er kleine Roboter überwältigt, die für ihre diktatorischen Herren beschlagnahmte Farbe transportieren. Ein beherzter Sprung und die Farbe landet in deBlobs Bauch. Dabei watscheln Roboter mit verschiedenen Farbgefäßen durch die Levels. Besonders fies wird es, wenn der Held in grauschwarzen Schleim stolpert, den ihm das neue Regime in den Weg gegossen hat. In seinem solchen Fall ächzt und keucht deBlob und muss sich schleunigst zu einem Brunnen oder anderem Wasser begeben, um sich wieder zu reinigen. Sein Farbspeicher ist dann jedenfalls vorerst futsch.

Zahlreiche Rätsel erfordern es, geschickt die Farben zu kombinieren. Mal sollen Gebäude in einer bestimmten Farbe erstrahlen, mal wird eine gewisse Kombination benötigt, um Schlüsselgebäude den Invasoren zu entreißen. Dabei gibt es keine Nuancen beim Mischen; blau und gelb ergibt immer grün, egal wie groß das Übergewicht der zuvor gespeicherten Farbe sein mag – dies könnten die Entwickler vielleicht für spätere Teile verändern, würde aber auch das Spiel verkomplizieren. Darüber hinaus lassen sich noch verschiedene Muster sammeln, die Gebäude nicht nur färben, sondern auch in Carmouflage hüllen oder kleinkariert wirken lassen.

Alle diese Mühen nimmt man als Spieler gerne auf sich, denn ein komplett gefärbter Wohnblock entlässt die dort lebenden Einwohner, die von den Invasoren zu „Graydians“ vergrau(l)t wurden. Rollt deBlob mit einer Farbspende durch ihre Mitte werden sie wieder zu jubelnden kleinen „Raydians“, die ab dem Zeitpunkt teils tanzend und albernd durch die Straßen hüpfen. So wird die Welt nicht nur immer bunter, sondern auch immer lebendiger (und bekloppter).

Auch wenn das Spiel sicherlich narrativ keine epischen Bäume ausreißt, und die Steuerung manchmal – besonders bei Sprüngen – ungnädig ist, gibt die Wii hier preis, welche innovativen Spielprinzipien in der Verwendung ihrer Controller sogar in minimalistischen Spielen schlummern. Dabei ist deBlob nicht nur ein witziger Charakter mit einem heroischen Auftrag, so dass die Identifikation mit der Spielfigur auf Anhieb und großartig gelingt.

Man will zudem, ob nun als kleiner wie auch großer Spieler automatisch begeistert, hemmungslos an weißen Wänden mit Farbe herumexperimentieren. Allein darin liegt schon eine gewisse befreiende Kraft nicht nur für junge Spieler, denen man den Stift sonst besser aus der Hand nimmt, wenn er sich der weißen Rauhfaserwand nähert. Gerade Kinder können zudem mit dem Spiel wunderbar nachvollziehen, welche Farben von ihnen gemischt werden müssen, um welches Ergebnis zu erreichen. Und auch dort entsteht Spannung, wenn man de Blob eben mit prall gefülltem violetten Rumpf, gesammelt aus roten und blauen Tanks, durch hochkonzentrierte Verrenkungen in eine enge Gasse voller weiterer Farbtransporter bugsiert.

Obendrein ist es auch eine Freude, die physikalische Engine des Spieles beim Werkeln zu spüren. Glaubhaft wird der runde Held träger, je mehr Farbe er aufgesogen hat. Bei wachsender Geschwindigkeit ist an abruptes Bremsen oder gar Richtungswechsel nicht zu denken, was einkalkuliert werden will. Auch für die Bewältigung der Level ist es manchmal nützlich, die Physik geschickt zu beherrschen: Sprünge über eine Bande führen dann in Terrain, das ohne die Zwischenstation aus dem Stand nicht erreichbar gewesen wäre. Verdreckt mit dem schwarzen Schleim der Oppressoren klebt deBlob außerdem spürbar beim Rollen. Durch diese vielen Formen der Bewegung und äußeren Einflüsse auf deBlob ist das Spiel auch für ältere Spieler, die über das Farbenspiel bereits hinaus sind, nachhaltig herausfordernd. Auch die Kleinen können intuitiv viel über physikalische Bewegungsimpulse lernen.



Da werden die Grauen Herren ihre Panzer mit Verdünner befüllen müssen - deBlob kehrt zurück und hat Freunde mitgebracht

Schlecht für die Raydians, gut für alle Spieler – ein Ende der Rebellion ist nicht in Sicht, denn der zweite Teil soll bereits am 22. Februar 2011 in den Läden stehen. Dieses Mal färbt der kleine Schmierfink zunächst auf Wii und Nintendo DS die grauen Wände, soll angeblich aber auch auf Playstation 3 und XBox360 die graue Diktatur das Fürchten lehren.

Wobei deBlob in seinem zweiten Abenteuer auch auf den letzteren beiden Plattformen zu einem Vorzeigeobjekt der jungen Bewegungssteuerungen werden könnte – immerhin stehen dort die beiden großen Akteure ->Microsoft (->XBox360) durch das bewegungssensitive „->Kinect“ und ->Sony (->PS3) mit der ->“PSMove“ in den Startlöchern. Bislang fehlt beiden Plattformen jedoch ein spielerisch sinnvolles Vorzeigeobjekt jenseits der üblichen Sportspielereien und zu streichelnder Haustiere. Das dürfte sich mit deBlob ändern, zumal man hier in direkten Vergleich beider Systeme bei dem gleichen Spiel wird treten können – und diesen auch mit der Wii-Version ziehen kann. Sollte sich das Spielprinzip auch dort als erfolgreich erweisen, so dürfte die Invasion bei den Raydians wohl noch ein paar Sequels lang fortdauern.

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