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NEWS: Ein Ruf aus dem Himalaya

Far Cry 4 verlegt den Schauplatz ins asiatische Hochgebirge

Scheppernd und klimpernd rumpelt ein bunter Reisebus über zerrüttete Straßen und quält sich mühsam über den Bergpass. An Bord ist unter Anderen Ajay Ghale, der aus der fernen westlichen Welt angereist ist, um die Asche seiner Mutter in ihrer Heimat Kyrat zu verstreuen. Die Grenzkontrollen allerdings gestalten sich jedoch etwas unorthodox, denn Ajay wird schon erwartet. Die Grenzer eröffnen das Feuer. Erst als ein Hubschrauber herandonnert, verstummen die Waffen.

Kyrat ist ein zerrissenes himalaische Gebirgsreich, dessen extrovertierter Herrscher Pagan Min nicht unbedingt jedermanns Wohl im Auge behält. (Der geborene König – Story Trailer | Far Cry 4 [DE] / Kanal UbisoftDE | UbisoftTV via Youtube)

Als wäre er ein extravaganter Galerist, dem New Yorker Künstlerbezirk SoHo entlaufen, entsteigt Pagan Min dem Heli in einem tief rosafarbenen Anzug und mit wasserstoffgefärbten, hochgegeelten Haaren – in dieser Umgebung hätte die schillernde Figur auch einem Dimensionsriss anstelle eines Hubschraubers entsteigen können. Als erfahrener Spieler erwartet man nicht, dass sich jetzt alles zum Guten wendet, doch Min entschuldigt sich zunächst höflich für die „Unannehmlichkeiten“ des Gefechts. Mit der Hauptfigur scheint ihn – zumindest fürs Erste – Persönliches zu verbinden. Irgendwas Verwandschaftliches. Die freundliche Begrüßung hindert ihn jedoch nicht daran, dem für das Gefecht verantwortlichen Offizier vor den Augen seines Gastes eine sehr endgültige Lektion mit einem Kugelschreiber zu erteilen. Danach schaltet der cholerische Psychopath wieder in den Kumpelmodus, wischt sich das Blut aus dem Gesicht und bittet zu Tisch.

Der Entwickler Ubisoft Montreal hat ein Händchen für ebenso grausame, wie vielschichtige Gegenspieler. In Far Cry 4 handelt es sich um Pagan Min, den Herrscher von Kyrat und seine Schergen. (Abb.: Artwork Ubisoft Montreal)
Der Entwickler Ubisoft Montreal hat ein Händchen für ebenso unterhaltsame wie grausame, ebenso charismatische wie vielschichtige Gegenspieler. In Far Cry 4 handelt es sich um Pagan Min, den Herrscher von Kyrat, und seine Schergen. (Abb.: Artwork Ubisoft Montreal)

Schon der dritte Teil der Far Cry-Reihe war unter anderen gelungenen Elementen wegen solch faszinierender Gegenspieler ein zurecht hochgelobtes Spiel. Daneben brillierte ->Far Cry 3 (2012) mit einer Coming-of-Age-Geschichte über das Reifen zum Mann, rabiate Gewalt und wie sie ihren Urheber verändert. Nun steht ein weiterer Meilenstein der digitalen Spielwelten in den Regalen. ->Far Cry 4 erschien am 18. November für PC, die gegenwärtige und die letzte Konsolengeneration. Es verlegt den Schauplatz von den tropischen Inselwelten des Vorgängers in die Höhenzüge des Himalaya. Damit schafft es nicht nur eines der abwechslungsreichsten Open-World-Spiele überhaupt, sondern konstruiert auch eine fesselnde Kulisse aus einem abstrakten Modell des himalayischen Bergstaats im Umbruch.

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NEWS: Camera Obscura

„WarCo“ begegnet Kriegsgräueln allein mit einer Kamera

In Max Frischs berühmtem ->“Homo Faber“ blickt die namensgebende Hauptfigur des Romans stets durch das Okular einer Kamera. Faber ist ein Technokrat, der, ganz in seinem technischen, rationalistischen Weltbild als Ingenieur aufgehend, die ganze Welt stets durch seine Kamera wahrnimmt. Doch die inszenierte Sammlung gestellter Filmschnipsel lässt ihn nur wahrnehmen, was ihm gefällt. So schafft ihm die Kamera eine Distanz zur restlichen Welt, bis die ausgeblendeten Ereignisse seines Umfeldes seine Welt zum Einsturz bringen.

Wie eingeengt der Blick durch eine Kamera ist und wie gefährlich es ist, sich dessen nicht bewusst zu sein, zeigt sich vor allem in Zeiten des Krieges. Doch gerade auf die Gräuel eines Krieges geht ein Videospiel kaum ein, geschweigedenn ein Shooter. Jüngst ist mit dem unausgegorenen ->Homefront gerade der Versuch fulminant gescheitert, die grausame Härte gegen Zivilisten in einem Videospiel zu inszenieren.


Mit Blut auf dem Objektiv ahnt man: in manchen Filmen gibts kein Happy-End.

Der Entwickler ->Defiant Development aus dem ausralischen Brisbane wechselt nun mit uns die Perspektive und lässt uns, allein mit einer Kamera bewaffnet, in den Krieg ziehen. Als Journalist Jesse deMarco streifen wir in „WarCo – The News Game“ durch die Krisengebiete unserer heutigen Welt in Afrika und dem Nahen Osten. Geduckt, auf der Suche nach aussagekräftigen Bildern. Ohne Waffen. Nur mit unserem Aufzeichnungsgerät bestückt und darin nur begrenztem Speicherplatz.

Ob dieser Wechsel der Perspektive spielerisch etwas taugt, dürfte stark von den Aktionsmöglichkeiten des Kameraspielers abhängen. Richtig gemacht, könnte hier jedoch ein völlig neues Spielgefühl entstehen, indem Seiten des Krieges gezeigt werden, die in Heroenschauspielen wie ->Modern Warfare oder ->Battlefield in dröhnendem Patriotismus untergehen…

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