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Techland runderneuert das Zombie-Genre mit „Dying Light“

Eben noch turnt man von Zaun zu Zaun, springt auf eine dünne Metallstange, hechtet über eine Mauer, rollt ab und steht wieder. Da geifert ein halb zerfetzter Unterkiefer mit erheblichem Mundgeruch direkt vor der eigenen Nase und versucht, nach einem zu schnappen. Nein, Schwiegervater ist nicht zu Gast; Zombies machen sich im Open-World-Spiel ->Dying Light von ->Techland daran, die Menschheit auszurotten … mal wieder, mag man gähnend denken.

Leg das Messer weg und lauf... Die Zombie-Experten von Techland raten zur Flucht (Abb. Collage Bild/Logo Offiz. Seite)
Leg das Messer weg und lauf... Die Meister des Open-World-Untergangs von Techland raten zur Flucht (Abb. Collage Bild/Logo Offiz. Seite)

Denn die Präsenz von Hirnschlürfern ist gegenwärtig nichts Ungewöhnliches. Zombies haben eine regelgerechte Wiedergeburt hinter sich. Sie lassen sich auf Tablets und Handys von Pflanzen verkloppen, dienen als Nebensache in der Serie ->The Walking Dead oder machten gerade erst Wahlkampf als lahmste Kanzlerkandidaten aller Zeiten. Überall scheinen sie sich auszubreiten. Besonders in Videospielen greifen sie um sich wie die Inflation in der Weimarer Republik.

Die Entwickler von ->Techland haben auch schon länger ein besonderes Verhältnis zu ihnen, zeichnen sie doch für die in Deutschland indizierten Spiele ->Dead Island sowie ->Dead Island: Riptide verantwortlich. Nun machen sie sich aber mit  ->Dying Light an ein weiteres Open-World-Spiel, das mit den untoten Spaßbremsen einiges anders machen will – und doch die Handschrift der Entwickler erkennen lässt…

Denn auch im geistigen Nachfolger nimmt man alles nur erdenkliche Zeug aus der Umgebung, um den hirntoten Rumschlurfern den Kopf von den Schultern zu lösen oder andere Körperstellen vom Rumpf. Dafür kann von Metzgerbeilen über Bootsrudern bis hin zu Schusswaffen alles verwendet, und sogar nach und nach alles mit Giftschäden oder Strom aufgebessert werden. Diese Werkzeuge sind auch nötig, wenn man die freie, offene Spielwelt in einem Stück nach Aufträgen erkunden will. In den geistigen Vorgängern aus dem Hause ->Techland war jedoch der Gewaltgrad so dermaßen hoch, dass sich die Selbstkontrolle der Unterhaltungssoftware (USK) schrill kreischend in die Hocke kauerte. Nun waren das sicherlich extrem harte Gewaltexzesse gegen sehr menschenähnliche Gegner, doch man kann lange darüber streiten, ob Erwachsene damit nicht umgehen können sollten. Ein Überlebenskampf in der Zombikalypse dürfte nunmal Blutzoll fordern. Der Gesetzgeber sieht es nunmal anders.

Technisch sind die Spiele hingegen über jeden Zweifel erhaben, sieht man von einigen ungelenken Animationen der Personen und gelegentlicher Instabilität der Software ab. Die landschaftlichen Eindrücke der Inselwelt faszinieren, die Schauplätze sind überzeugend ausstaffiert – von einer Strandbar im Beach Resort über einen Stützpunkt von Überlebenden an einem Leuchtturm bis hin zu einer verwüsteten Kleinstadt oder den zahlreichen verwinkelten Küstenschluchten wirkt jede Umgebung sehr stimmig. Man könnte sogar sagen, sie wirke lebendig, wenn da nicht die vielen Untoten wären.

Was den Dead Island-Spielen jedoch fehlte, war eine überzeugende Inszenierung, die über grafischen Bombast hinausging. Daneben bestach einfach nur noch der Kampf mit zahlreichen, modifizierbaren Gegenständen, um möglichst einfallsreich die Untoten zu Volltoten zu befördern. Die schablonenhafte Handlung der Flucht vom verseuchten Eiland hangelte sich an dürftigen, gezwungenen Aufträgen entlang, die nur selten die Kreativität der Metzelorgien erreichten. Die Nebenaufträge wiederholten sich zu sehr und wirkten dadurch generisch. Kein Wunder, dass dieser sinnentleerte blutgetränkte Gliedmaßencocktail bei der USK nicht zu Verzücken führte.



!!! Ab 18 !!! Im Offiziellen Trailer kommentieren die Entwickler das Gameplay einer typischen Mission. !!! AB 18 !!! (Quelle: Offiz. Kanal bei Youtube)

Dass die Entwickler daraus ihre Lektionen gelernt haben, zeigt der zwölf Minuten dauernde Gameplay-Trailer von  ->Dying Light, der jetzt veröffentlicht wurde. Man sieht, dass die Zombies weiterhin sehr glaubwürdig sind, die Umgebungen sehr detailreich, die Waffen wieder modifizierbar… und der Gewaltgrad wieder so hoch, dass die USK es schwerlich auf den deutschen Markt loslassen wird.

Schaut man jedoch etwas genauer hin, ist eine völlig veränderte Spielmechanik zu erkennen, welche die direkte Konfrontation mit den wandernden Toten eher erschwert. Spieler können einzelnen Zombies sicher die Fünf-Watt-Birne in der Rübe zertrümmern, mit Gruppen sollten sie sich besser nicht anlegen. In ->Dying Light sollten Spieler besser die Beine in die Hand nehmen.

Dafür werkeln die Entwickler an fließenden Laufbewegungen im ->Parkour-Stil. Bei dieser in französischen Banlieus entstandenen Sportart zählt es, bei einem möglichst direkten Laufweg in flinker Akrobatik im Weg stehende Hindernisse zu überwinden. Spiele wie ->Mirror’s Edge und die ->Assassin’s Creed-Reihe haben bereits bewiesen, wie flüssig und spannend eine solche Spielweise sein kann. Der cinematische Trailer von vor ein paar Wochen setzt die angestrebte Atmosphäre gekonnt in Szene.



!!! Ab 18 !!! Wer stehen bleibt, verliert. Der Ankündigungstrailer zeigt, dass sich die Atmosphäre von Kampf zu Flucht verschiebt. !!! Ab 18 !!! (Quelle: Offiz. Kanal bei Youtube)

Noch etwas ist hier anders als in den Vorgängern. Dem doppeldeutigen Titel entsprechend, stirbt es sich mit hereinbrechender Nacht sehr viel leichter. Haben die Zombies tagsüber merklich Blei in den Beinen, ändert sich mit dem Sonnenuntergang die Spielmechanik erheblich. Nachts werden die Matschhirne sehr viel aktiver, nehmen spürbar mehr wahr und verfolgen entdeckte Opfer sehr viel länger und behänder. Für den Spieler heißt dies, sich nur noch schleichend fortzubewegen, vorsichtig in Deckung abzuwarten und vorsichtshalber keinen Mucks zu machen. Ohne das Sonnenlicht entsteht also eine völlig andere Spielmechanik. Schon gar nicht sollte der Spieler seine Schießprügel abfeuern. Einmal entdeckt, hilft nur noch der Versuch, schleunigst ein sicheres Versteck zu erreichen. Das allerdings ist nachts kaum mehr heil in einem Stück machbar.

Mit der von Tageszeiten abhängigen Spielmechanik und dem etwas verschobenen Fokus von blutigen Kämpfen hin zu actionreichen Fluchten erreicht Techland vielleicht nicht nur eine etwas wohlwollendere USK, sondern verschafft dem Zombieszenario wesentliche innovative Elemente. So bleibt nur zu hoffen, dass man auch in Deutschland dem geifernden Zombie vom Beginn saftig einen vor den Latz geben kann, um sich aufs nächste Dach zu ziehen und unter hysterischem Gelächter ums Leben zu rennen. Es wäre daher wirklich sehr schade, wenn ein übermäßiger Gewalteinsatz die USK dazu veranlassen würde, ->Dying Light das Licht abzudrehen.

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