NEWS: Code-lose Kunst?

Die öffentliche Vorlesungsreihe an der HAW Hamburg führt dieses Mal durch das Spannungsfeld zwischen Kunst und Spiel

Spieleentwickler denken sehr techniklastig – so zumindest das verbreitete Vorurteil. Naturgemäß würden Sie betriebswirtschaftliche Überlegungen zu allererst verfolgen, Games aber auch inhaltlich zu sehr von der mechanischen Seite betrachten. Spielmechanik schlägt Erzählung, Funktionalität die Ästhetik. Dass dies nicht so sein muss, zeigt die neue, am 27. September 2010 beginnende Ringvorlesung der ->Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg. Jeweils Montags um 17 Uhr wird es um immer neue Aspekte des Leitthemas „Kunst und Spiel“ gehen.


In neuem Gewand, doch von gewohnter Qualität - die Ringvorlesung jetzt auf dem neuen Mediencampus der HAW
In neuem Gewand, doch von gewohnter Qualität - die Ringvorlesung lädt jetzt auf den neuen Mediencampus an der Finkenau

Dieses Mal ist jedoch nicht nur das Thema neu, sondern auch der Standort hat gewechselt. Die HAW empfängt die Interessierten jetzt auf dem neu errichteten ->Mediencampus an der Finkenau 35 in der Nähe der „Mundsburg“ (U-Bahn-Linie U3) im Seminarraum E39. Der Campus ist auch gut mit der U1 über die Haltestelle „Wartenau“ erreichbar, von dort allerdings fährt man am Besten noch eine Station mit dem Metrobus 25.

Schon seit einigen Jahren läuft die Ringvorlesung als Reihe sehr erfolgreich. Jedes Semester wirft sie ihren Blick auf technische und inhaltliche Bereiche der weiten Welt der Videospiele, häufig mit ungewöhnlichen Ansätzen und aus ungewohnten Perspektiven. Im Sommersemester lag der Fokus auf Vorträgen zu Plattformen verschiedenster Art (->NEWS: Blick über den Rand der Plattform), dieses Mal nun steht „Kunst“  und ihr Verhältnis zu Spielen im Mittelpunkt der zehn Vorträge. Einen vorläufigen Plan für die Reihe, die sich ausdrücklich nicht nur an Studierende und Fachbesucher richtet, finden Sie ->hier.

Einleiten werden die beiden langjährigen Organisatoren Prof. Gunther Rehfeld von der HAW Hamburg und Hardy Dreier von 3erMedia die Veranstaltungsreihe am 27. September mit einem Überblicksvortrag, der die geplanten Themen und Perspektiven beleuchten wird.

Für den 4. Oktober konnten Dierk Ohlerich und Tammo Hinrichs von ->49Games gewonnen werden, die über die Kunstformen der sogenannten Demo berichten werden. Bei den Mitgliedern der Demoszene handelt es sich um Künstler, die versuchen, auf möglichst kleinem Speicherplatz möglichst kreative Animations- und Tonabläufe zu kreieren. Die so entstehenden Kunstwerke gehen weit über verpixelte Bildchen hinaus.

Von den Hamburger Spieleentwicklern ->Daedelic Entertainment stößt am 11. Oktober der kreative Kopf der Firma, Jan Müller-Michaelis zu der Reihe hinzu. Dass er sein Vortragsthema „Die Kunst der spielerischen Dramaturgie“ beherrscht, wie kaum ein anderer, hat er mit den großen Erfolgen ->“Edna bricht aus“ und ->“A Whispered World“ bereits bewiesen.

Prof. Matthias Lehnhardt von der ->Hochschule für bildende Künste (HfbK) Hamburg referiert am darauffolgenden Montag über „Künstlerspiele„. Was sich dahinter verbirgt, konnte KEIMLING noch nicht in Erfahrung bringen, Spannung verspricht jedoch der Zuschnitt des ->Lehrstuhls auf „Experimentelle Medien, Künstlerische Entwicklungsvorhaben“.

Der 25. Oktober ist für Professor ->Rolf Nohr von der ->Hochschule für Bildende Künste (HBK) Braunschweig reserviert, der sich mit der Kunst der Kriegsführung (im Spiel) befasst. Seine Forschungsinteressen zielen sowohl auf die Verwendung von Bildmaterial in Games als auch auf das Forschungsprojekt „->Strategie Spielen. Vom Kriegsspiel zum Computerspiel“.  Dabei stellen sich die Forscher Fragen nach den Zusammenhängen zwischen strategischen Prozessen in Bildschirmspielen mit Strategien und ihrer Entwicklung im wirklichen Leben. Zusammen mit Serjoscha Wiemer veröffentlichte Nohr auch eine Aufsatzsammlung zu diesem Thema unter dem Titel „Strategie Spielen. Medialität, Geschichte und Politik des Strategiespiels“. (-> Amazon)

Am 1. November erläutert Murat Kaya des deutschen Browsergame-Flaggschiffes ->Bigpoint die Bedeutung von Konzept Art für Games. Im Bereich Illustration absolvierte er 2007 sein Diplom an der HAW Hamburg.

Julian Kücklich, der bis Ende August als Professor für Game Design an der ->Media Design Hochschule Berlin über virtuelle Welten gelehrt hat, gibt am 8. November Einblicke in die Welt der „Independent Games„. Ihn beschäftigt die Frage, ob man in diesem Bereich noch Kreativität jenseits von ökonomischen Zwängen finden könne. Wenn ja, dann stellt sich die Frage, wohin diese ungebremsten kreativen Impulse die Branche führen könnten.

Für den Termin eine Woche später, am 15. November, hat Friedrich Kirschner seine Teilnahme bestätigt, um über Machinima vorzutragen. In dieser Kunstform in Zweckentfremdung von Spieleengines entstehen Filme, Serien und Kunstobjekte mithilfe der Technik aus Spielen. Ein breites Spektrum liegt zwischen einfallsreicher Comedy wie bei der legendären Serie ->“Red vs. Blue“, basierend auf Microsofts Shooter ->Halo, und durchaus philosophischen Meisterwerken wie das Machinima ->“The Awakening“, realisiert mit  ->Die Sims 2 durch April Hofmann.


The Awakening - hier erwacht auch eine neue Kunstform

Paul Krömeke von den ->Goodgame Studios aus Hamburg führt durch am 29. November einen Vortrag zur Kunst des Game Designs. Die Spieleschmiede nennt sich selbst „auf die Produktion von einzigartigen Konzepten für eine neue Art von Spielern spezialisiert“ – ein hoher Anspruch, den zu erfüllen der Referent vor sich hat.

Und schließlich kommt von der ->Universität Siegen zur letzten Veranstaltung am 6. Dezember Professorin Angela Schwarz, um über die Rolle von Geschichtsbildern in Videospielen zu sprechen.  Motive aus der Geschichte werden auf bestimmte Arten und mit bestimmten Zielen in Games verwendet.  Dies lässt auch Rückschlüsse auf unsere eigene Zeitgeschichte zu und sorgt für eine Ausprägung von Deutungshoheit über unsere gemeinsame Geschichtsschreibung.  Unter dem Titel „Von der Kunst, (mit) Geschichte zu spielen“ wird sie daher ausführen, welche Stolperfallen im Umgang mit Geschichte entstehen können und wie die sinnvolle künstlerische Interpretation von Geschichte aussehen kann.


Nur wer sein Ziel kennt,...
Nur wer sein Ziel kennt,...

Den Organisatoren der Ringvorlesung ist mit der Zusammenstellung dieser Reihe des diesjährigen Wintersemesters erneut ein großer Wurf gelungen, der nicht nur vielfältige Perspektiven auf Kunst erlaubt, sondern auch eine gut durchmischte Expertise aus Forschung, Produktion und Kultur vereint. Unterhaltsam und innovative Impulse ausstrahlend, wird auch diese Ringvorlesung wieder spannend für Fachleute und Laien sein.


...findet auch den Weg.
...findet seinen Weg.

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