{"id":371,"date":"2009-09-09T14:30:28","date_gmt":"2009-09-09T12:30:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=371"},"modified":"2009-09-09T14:30:28","modified_gmt":"2009-09-09T12:30:28","slug":"kommentar-professor-daddel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=371","title":{"rendered":"KOMMENTAR: &#8222;Professor Daddel&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"headline_sub\">Hamburger Morgenpost verkennt die Bedeutung der Spielebranche<\/h3>\n<h3>Endlich studieren auf Weltniveau ohne reiche Eltern<\/h3>\n<p>Als die Zeitung am 11. August 2009 einen Beitrag \u00fcber den lange geforderten Studiengang &#8222;Sound, Vision, Games&#8220; an der Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg ver\u00f6ffentlicht, ist die Freude zun\u00e4chst gro\u00df.\u00a0 Professor Gunther Rehfeld und seine Kollegen haben diesen Studiengang, der in Deutschland an einer staatlichen <strong>Hochschule <\/strong>bislang vergeblich seinesgleichen sucht, entgegen vieler Widerst\u00e4nde endlich etablieren k\u00f6nnen. Die Berichterstattung der MoPo-Redakteurin Simone Pauls \u00fcber dieses Ereignis offenbart jedoch, wie viel Arbeit noch bevorsteht, um die Ernsthaftigkeit der Branche und damit auch ihre wirtschaftliche und wissenschaftlichen Bedeutung der Bev\u00f6lkerung n\u00e4her zu bringen.<\/p>\n<p>Angesichts mehr als 300 offener Stellen allein in der hamburger Videospiele-Branche, die aus Mangel an qualifiziertem Personal nicht besetzt werden k\u00f6nnen, war der Schritt zu dem Studiengang n\u00f6tig und l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig. F\u00fcr den Anfang lernen 20 Studenten in diesem <strong>Studiengang <\/strong>, wie man ein Computerspiel designt und entwickelt. Sie werden in beriebswirtschaftliche und projektplanerische Elemente eingewiesen und erhalten methodischen Unterricht und Lektionen \u00fcber Spieltheorie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_376\" aria-describedby=\"caption-attachment-376\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-376\" title=\"rehfeld-artikel\" src=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/rehfeld-artikel.jpg\" alt=\"rehfeld-artikel\" width=\"450\" height=\"282\" srcset=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/rehfeld-artikel.jpg 450w, https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/rehfeld-artikel-300x188.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-376\" class=\"wp-caption-text\">Abb: Professor Daddels ulkige Wachstumsbranche<\/figcaption><\/figure>\n<p>Besonders erfreulich ist damit auch, dass sich f\u00fcr den Nachwuchs aus finanzell nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig betuchten Familien endlich der Weg in diese zukunftstr\u00e4chtige Branche \u00f6ffnet. Zwar haben sich schon l\u00e4nger Bildungsinstitute in Deutschland etabliert, die in verschiedenen Ausbildungsg\u00e4ngen in die Gamesbranche f\u00fchren. Allerdings werden f\u00fcr dortige Studenten horrende Geb\u00fchren verlangt, die nicht jeder mal so eben aus dem Sparbuch zauben kann. Der Studiengang ist zudem von der Stadt Hamburg im Rahmen der gamecity.hamburg mit 450.000 Euro angeschoben worden &#8211;\u00a0 eine erhebliche Summe, die auch n\u00f6tig ist, um mit der besten Technik arbeiten zu k\u00f6nnen. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise ist dies <strong>ein wertvolles Signal<\/strong>, dass die Stadt die Wichtigkeit dieser Branche erkennt und gleichzeitig Talente f\u00f6rdern will, die zuvor durch Papis mauen Geldbeutel vor der T\u00fcr stehen bleiben mussten.<\/p>\n<h3>Nachrichten aus dem Gestern<\/h3>\n<p>Die Diskrepanz allerdings zwischen der Bedeutung des Ereignisses und dem unterschwellig ver\u00e4chtlichen Ton der Zeitungsmeldung k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dfer nicht sein. Die Berichterstattung durch die Redakteurin Simone Pauls weist damit auf ein allgemeines gesellschaftliches Problem hin. Videospiele und die professionelle Besch\u00e4ftigung mit ihnen in Forschung und Wirtschaft m\u00f6gen vielleicht nicht mehr das Image von pickligen Einzelg\u00e4ngern im abgedunkelten Keller haben. <strong>Ernst genommen<\/strong> wird dieser gigantische Wirtschaftsfaktor immer noch nicht &#8211; seltsam, wo die Branche mittlerweile doch mehr umsetzt, als die Filmindustrie und in wenigen Jahren mehr als Musik- und Film-Industrie zusammen umsetzen wird.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Pauls nimmt als erstes das optische Erscheinungsbild des Dozenten aufs Korn und stellt fest, dass er mit seinem langen Pferdeschwanz, Kinnbart und Shirt im Schlabber-Look &#8222;ein wenig anders [sei] als andere Hochschullehrer&#8220;. Man fragt sich reflexartig, ob die Redakteurin nicht vielleicht ein paar sozialwissenschaftlichen Fachbereichen der Universit\u00e4t Hamburg einen Besuch abstatten sollte. Vielleicht w\u00fcrde sie ihre Einsch\u00e4tzung \u00fcber das \u00fcbliche <strong>Erscheinungsbild <\/strong>von Professoren und Dozenten doch ein wenig relativieren.\u00a0 Schon allein dieser Aufmacher durch das \u00c4u\u00dfere verleitet den Leser &#8211; ob nun bewusst gewollt oder nicht &#8211; dazu, den Dozenten als Sonderling einzuordnen. Diese latente S\u00fcffisanz best\u00e4tigt auch der Untertitel des Artikels: &#8222;Neues Fach f\u00fcr Computerfreaks&#8220;. Freaks wecken ebenfalls Assoziationen an eine Ansammlung von sonderbaren Einzelg\u00e4ngern. Dies wird jedoch in keiner Weise Vertretern einer Branche gerecht, die\u00a0 sich nicht nur wegen der Erfindung der Wii durch Nintendo in den letzten Jahren zum absoluten Mainstream gemausert hat.<\/p>\n<p>Um die Relevanz des Studiums der Videospiele und die dazugeh\u00f6rige Milliardenbranche ins rechte Licht zu r\u00fccken, ist auch nicht hilfreich, dass der engagierte Begr\u00fcnder des Studiengangs als &#8222;Professor Daddel&#8220; <strong>verunglimpft <\/strong>wird. Diese Bezeichnung durch die Redakteurin der Morgenpost steht in einem eklatanten Missverh\u00e4ltnis zu den Ausf\u00fchrungen Professor Rehfelds, der erl\u00e4utert, dass es das Medium Videospiele geschafft h\u00e4tte, &#8222;aus der Spinnerecke herauszukommen und f\u00fcr alle Zielgruppen interessant zu werden.&#8220; Offenbar ist Frau Pauls nicht dieser Meinung.<\/p>\n<h3>Lachend in den Untergang<\/h3>\n<p>Es ist nicht allzu verwegen, bei Frau Pauls eine gewisse Abneigung dagegen zu vermuten, Videospiele f\u00fcr &#8222;voll&#8220; zu nehmen. Die gew\u00e4hlte Sprache ist nunmal Ausdruck des eigenen Denkens. Offenbar geh\u00f6rt die Redakteuren nicht zu dem stetig wachsenden Kreis von Menschen, die in der Branche der Videospiele ihr Geld verdienen oder\u00a0 sich der Unterhaltung durch Spiele auf PCs und Konsolen hingeben. Hier wird einmal mehr deutlich, wie unterschiedlich die Lebensweisen und das Weltverst\u00e4ndnis in der j\u00fcngeren <strong>Generation <\/strong>und den \u00e4lteren, nicht mit Videospielen aufgewachsenen Menschen sind.<\/p>\n<p>Die Art, wie die MoPo mit einem der zukunftstr\u00e4chtigsten Studiengang der Hansestadt umgegangen ist,\u00a0 l\u00e4sst bef\u00fcrchten, dass Deutschland auch in diesem Bereich international wieder den Anschluss verpennt. W\u00e4hrend in Deutschland die Montanindustrie und die Atomobilbranche mit gro\u00dfen Summen am Leben gehalten werden, fehlen Geld und Bewusstsein, in diese neue Branche zu investieren. <strong>Andere L\u00e4nder<\/strong> galoppieren uns mit staatlichen Investitionsf\u00f6rderungsfonds davon. Die USA sind ohnehin in ihrem Marktvolumen nicht einholbar. Frankreich stellt Millionen zur Verf\u00fcgung. In Kanada wurde der Videospiele-Blockbuster &#8222;Assassin&#8217;s Creed&#8220; mit hohen Millionenbetr\u00e4gen gef\u00f6rdert. Unternehmen erhalten dort zudem weitgehende Steuerfreiheit.<\/p>\n<p>Die meisten Deutschen bauen wahrscheinlich lieber weiter spritfressende Dinosauriere und verbuddeln Milliarden im Steinkohlebergbau und bel\u00e4cheln die &#8222;<strong>Spinner<\/strong>&#8222;, die mit Spielen Geld verdienen wollen. So kann man dem engagierten Professor nur genug Kraft w\u00fcnschen, der s\u00fcffisanten Abwertung durch weite Teile der \u00e4lteren Generation ausdauernd entgegen zu treten. Die J\u00fcngeren, in deren Lebenswirklichkeit digitale Medien schon l\u00e4ngst Fernsehen und Print verdr\u00e4ngt haben, werden es ihm in jedem Fall danken, dass Hamburg mit dem neuen Studiengang einen Fu\u00df in die T\u00fcr zur wirtschaftlichen, technologischen und nicht zuletzt unterhaltenden Hochtechnologie des 21. Jahrhunderts gestellt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburger Morgenpost verkennt die Bedeutung der Spielebranche Endlich studieren auf Weltniveau ohne reiche Eltern Als die Zeitung am 11. August 2009 einen Beitrag \u00fcber den lange geforderten Studiengang &#8222;Sound, Vision, Games&#8220; an der Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg ver\u00f6ffentlicht, ist die Freude zun\u00e4chst gro\u00df.\u00a0 Professor Gunther Rehfeld und seine Kollegen haben diesen Studiengang, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=371\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">KOMMENTAR: &#8222;Professor Daddel&#8220;<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,4],"tags":[561,566,3893,564,563,21,558,567,557,562,569,560,571,559,565,570,568,556],"class_list":["post-371","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kommentar","category-report_vorort","tag-ausbildung","tag-diskrepanz","tag-forschung","tag-generationenkonflikt","tag-hamburger-morgenpost","tag-haw-hamburg","tag-hochschule","tag-konflikt","tag-mainstream","tag-prof-dr-gunther-rehfeld","tag-redaktion","tag-studiengang","tag-suffisanz","tag-universitat","tag-videospiele-branche","tag-wirtschaft","tag-zeitung","tag-zukunft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/371","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=371"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/371\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=371"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=371"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=371"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}