{"id":2667,"date":"2016-09-09T18:47:27","date_gmt":"2016-09-09T16:47:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2667"},"modified":"2016-11-15T00:06:35","modified_gmt":"2016-11-14T22:06:35","slug":"kommentar-gibts-das-auch-als-film-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2667","title":{"rendered":"KOMMENTAR: Gibt&#8217;s das auch als Film? (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"headline_sub\">Teil 1 &#8211; Feuilleton gegen Stiftung Warentest<\/h3>\n<hr \/>\n<address>Schon lange hatte ich geplant, dem <strong>Spielejournalismus <\/strong>in seinen verschiedenen Formen, einen umfassenden Beitrag zu widmen. Der Artikel sollte vor allem die gegenw\u00e4rtige Lage der Redakteure und TV-Produzenten kommentieren &#8211; mit einem Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum. In j\u00fcngster Zeit brechen sich nun zahlreiche Entwicklungen Bahn, welche dem Spielejournalismus rasant ein neues Gesicht verleihen. <\/p>\n<p>Es ist h\u00f6chste Zeit, dass mein Blog in einem <strong>Rundumschlag<\/strong> den gegenw\u00e4rtigen Status zusammenfasst. Angesichts der Vielzahl von Ver\u00e4nderungen konnte dieser \u00dcberblick nur sehr lang werden. Daher erscheinen im Abstand von wenigen Tagen mehrere Blogbeitr\u00e4ge zu verschiedenen Facetten. Die Serie schlie\u00dft mit einer Bewertung der j\u00fcngsten Ver\u00e4nderungen und einem ebenso vorsichtigen wie gewagten Ausblick.<\/address>\n<div><a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2667\"><strong>Teil 1 &#8211; Feuilleton gegen Stiftung Warentest<\/strong><\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2706\"><strong>Teil 2 &#8211; Altlast des Objektivismus<\/strong><\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2721\"><strong>Teil 3 &#8211; Der digitale Tsunami<\/strong><\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2728\"><strong>Teil 4 &#8211; Netzwerk-Knoten<\/strong><\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2753\"><strong>Teil 5 &#8211; Die Youtubisierung des Abendlandes<\/strong><\/a><br \/>\n<strong>Teil 6 &#8211; Ein vorsichtiger Ausblick (folgt)<\/strong><\/div>\n<hr \/>\n<h3>Zahlen, bitte!<\/h3>\n<p>Alle paar Jahre kommt beim f\u00fchrenden deutschen Games-Magazin <a href=\"http:\/\/www.gamestar.de\/\">-&gt;Gamestar<\/a> das <strong>Wertungssystem <\/strong>auf den Pr\u00fcfstand. Differenziert und ausf\u00fchrlich legt das Magazin dann den Lesern dar, warum etwa die grafische Qualit\u00e4t f\u00fcr digitale Spiele einen Anteil von XY an der Gesamtwertung hat und nun h\u00f6her oder geringer gewichtet wird. Oder der Sound. Oder das Gameplay. Mich wundert schon seit Jahren sehr, mit welcher Energie sich auch Leser daran beteiligen. Deren Einsatz manifestiert sich jedes Mal zum Beispiel in langen Briefen an die Redaktion.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2682\" aria-describedby=\"caption-attachment-2682\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/CollageWertungssysteme.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2682\" src=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/CollageWertungssysteme.jpg\" alt=\"Zahlen, bitte! Auf der Suche nach Objektivismus h\u00e4lt sich hartn\u00e4ckig der Zahlenfetisch im Spielejournalismus. (Abb.: Collage Screenshots)\" width=\"500\" height=\"362\" srcset=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/CollageWertungssysteme.jpg 500w, https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/CollageWertungssysteme-300x217.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2682\" class=\"wp-caption-text\">Zahlen, bitte! Auf der Suche nach Objektivismus h\u00e4lt sich hartn\u00e4ckig der Zahlenfetisch im Spielejournalismus. (Abb.: Collage Screenshots)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Was sich da an Systemen aus den Anf\u00e4ngen des Spielejournalismus bis heute immer mehr ausdifferenzierte, so denke ich kopfsch\u00fcttelnd, kann doch unm\u00f6glich noch jemanden interessieren. Na, gut, au\u00dfer in den Marketing-Abteilungen nat\u00fcrlich. Die schneiden sich ja gerne plakative Wertungszahlen wie <strong>G\u00fctesiegel<\/strong> in ihre Trailer und drucken sie zusammen mit Zitaten auf ihre Packungen, die sie aus dem Zusammenhang rei\u00dfen. Unter diesem Aspekt kann ich verstehen, weshalb Magazine an bezifferten Wertungen festhalten. Mit ihrem Logo zusammen abgedruckt, erhalten sie so kostenlose Werbung.<\/p>\n<p>Die Haltung aber, man k\u00f6nne die Qualit\u00e4t von digitalen Spiele durch Zahlenwerte ausdr\u00fccken oder auch nur vergleichbar machen, ist absurd. Selbst wenn jeder Tester immer mit der gleichen Grundeinstellung an ein Spiel heranginge, so scheiden sich doch <strong>Geschm\u00e4cker<\/strong> etwa an Szenarien oder Genres. Diese Vorlieben der Tester beeinflussen nat\u00fcrlich auch, wie er etwa die Narration, die Technik oder die Spielmechanik einsch\u00e4tzt. In weit gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe als bei anderen Medien bestimmt zudem das Verhalten eines Nutzers in der Spielwelt seine Erfahrungen mit dem Spiel. Jeder objektive Wertungsversuch kann also nur eine Illusion bleiben.<\/p>\n<p>Wenn diese Beobachtung aber stimmt, dr\u00e4ngt sich die Frage auf, warum das Publikum so eindeutige Schulnoten f\u00fcr ein komplexes <strong>Kulturprodukt<\/strong> \u00fcberhaupt erwartet. Scheinbar st\u00f6\u00dft man auf ein allgemeines, gesellschaftliches Problem. Seit Jahren w\u00e4chst die Zahl der Menschen, die nach einfachen, eindeutigen und schnellen L\u00f6sungen schreien. Man muss nur zu den karnevalsken Montagsz\u00fcgen in deutschen Innenst\u00e4dten schauen, sich die Verbaldiarrhoe in der Kommentarsektion von Spiegel Online durchlesen oder einer Pressekonferenz des Innenministers zuh\u00f6ren, und man stellt fest, dass offenbar die Gehirne eines Teiles der Bev\u00f6lkerung nur mit f\u00fcnf Watt-Birnen beleuchtet werden.<\/p>\n<p>Dass &#8222;richtig&#8220; und &#8222;falsch&#8220; oft im <strong>Auge des Betrachters<\/strong> liegen, ist eine Binsenweisheit &#8211; dennoch scheint sie sich zu einem Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung nicht herumgesprochen zu haben. Andererseits gibt es einen Teil derjenigen, die an digitalen Spielen interessiert sind, die einen deutlich breiteren gesellschaftlichen und kulturkritischen Umgang mit ihnen einfordern. Diese Konfliktlinien wird der erste Beitrag dieser Reihe skizzieren&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Fachmagazin <a href=\"http:\/\/www.gamestar.de\/\">-&gt;Gamestar<\/a> erh\u00e4lt zum Beispiel f\u00fcr einen neuen Kurs, den es seit bald zwei Jahren durchh\u00e4lt, Zuspruch von vielen Lesern. Der st\u00e4ndig sinkenden Auflage im Printbereich h\u00e4lt die Redaktion aufw\u00e4ndige Magazinbeitr\u00e4ge und Reportagen entgegen. Den allgemeinen <strong>Abw\u00e4rtstrend<\/strong> am Zeitschriftenmarkt konnte jedoch auch die neue Ausrichtung nicht aufhalten. Die Verbreitung sank von Quartal II\/2015 bis II\/2016 um 15.000 Exemplare auf nunmehr gut 49.000 St\u00fcck. Kritisch ist gerade der R\u00fcckgang um 7.000 auf knapp 31.000 Abonnements, denn Abos suggerieren Werbekunden Verl\u00e4sslichkeit (Quelle: IVW &#8211; Infomationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbetr\u00e4gern e.V, online unter <a href=\"http:\/\/www.ivw.eu\">www.ivw.eu<\/a>). Doch wer mag schon absch\u00e4tzen, wie der Verlauf gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte man diese Reports nicht intensiviert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2668\" aria-describedby=\"caption-attachment-2668\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Gamestar_ReportGeschichte_082016.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2668\" src=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Gamestar_ReportGeschichte_082016.jpg\" alt=\"Aufw\u00e4ndig recherchierte Reportagen f\u00fchren seit ein paar Jahren in der GameStar tief in die Hintergr\u00fcnde zu Spielinhalten ein, beleuchten Leitfiguren der Branche, ihre Firmen und deren Geschichte, und spielkulturelle Ph\u00e4nomene - h\u00e4ufig in mehreren Teilen \u00fcber verschiedene Ausgaben. (Abb.: eigene Collage)\" width=\"500\" height=\"603\" srcset=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Gamestar_ReportGeschichte_082016.jpg 500w, https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Gamestar_ReportGeschichte_082016-249x300.jpg 249w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2668\" class=\"wp-caption-text\">Mit aufw\u00e4ndig recherchierten Reportagen f\u00fchrt die GameStar seit ein paar Jahren tief in die Hintergr\u00fcnde zu Spielinhalten ein, beleuchten Leitfiguren der Branche, ihre Firmen und deren Geschichte, sowie spielkulturelle Ph\u00e4nomene &#8211; h\u00e4ufig in mehreren Teilen \u00fcber verschiedene Ausgaben. (Abb.: eigene Collage zur Ausgabe 08\/2016)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gerade weil ich die neue Orientierung begr\u00fc\u00dfe, stellt sich mir dr\u00e4ngend die Frage, ob aufw\u00e4ndige Printreports unter diesen Bedingungen lange \u00fcberleben k\u00f6nnen. Offenbar passt diese Art der Berichterstattung wiederum anderen Lesern nicht. Sie verlangen nach einer Einkaufsberatung mit klaren Ansagen, ohne nach ihrer Auffassung unn\u00f6tigem kulturellen Ballast. Und au\u00dferhalb der letzten Magazin-Bastionen? Dort geht der Trend \u00fcberall zu Lifestyle-Videoplattformen mit trendigem Games-Anhang (mit einer gro\u00dfen Ausnahme, zu der ich noch komme). Frisst die schleichende <strong>Youtubisierung<\/strong> &#8211; symbolisiert durch das nervige Mantra &#8222;Was denkt ihr?! Los, schreibt es mir in die Comments!&#8220; &#8211; qualitativ hochwertige Beitr\u00e4ge durch die Hintert\u00fcr wieder auf?<\/p>\n<p>Kulturkritischer Journalismus zu Games hat es im deutschsprachigen Raum schon immer schwer gehabt. In den letzten paar Jahren hat sich jedoch einiges <strong>zum Besseren<\/strong> gewandelt, auch weil traditionelle Zeitungen und Magazine mittlerweile Beitr\u00e4ge \u00fcber digitale Spiele aufnehmen. Sehr lesenswerte Artikel produziert etwa Rainer Sigl im Blog <a href=\"http:\/\/videogametourism.at\/\">-&gt;VideoGameTourism.at<\/a>, ist aber auch im \u00f6sterreichischen <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/r271\/Games\">-&gt;Standard<\/a> zu finden. Viele bekannte, deutschsprachige Autoren findet man auch in der <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/games\/\">-&gt;Games-Sektion<\/a> von Netzwelt bei <a href=\"http:\/\/www.spon.de\">-&gt;Spiegel Online<\/a>. Gut, manche Magazine platzieren digitale Spiele immer noch im Wirtschaftsteil und nicht im Feuilleton, aber wir wollen mal nicht kleinlich werden. Die Konfliktlinie zwischen Objektivisten und Feulletonisten stellt jedoch ein wesentliches Problem im Spielejournalismus dar, auch wenn sie nur selten thematisiert wird.<\/p>\n<h3>Wertungs-Fetisch<\/h3>\n<p>Vielleicht glauben Sie mir noch nicht so recht, dass die Zahlenmeierei seit Jahren ein gravierendes <strong>Problem<\/strong> im Spielejournalismus darstellt. Der Versuch, Zahlen zu verwenden, als w\u00fcrde man wie die <a href=\"https:\/\/www.test.de\/\">-&gt;Stiftung Warentest<\/a> die Funktionsweise eines Staubsaugers bewerten, ist bei einem Kulturprodukt wie einem digitalen Spiel uns\u00e4glich. Die zwei folgenden Beispiele zeigen die wesentlichen Schwierigkeiten solcher Systeme auf.<\/p>\n<p>Als Jochen Gebauer das Online-Rollenspiel <a href=\"http:\/\/www.thesecretworld.com\">-&gt;The Secret World<\/a> rezensierte, verspottete er einen \u00fcberzogenen Gebrauch von Geheimb\u00fcnden und Verschw\u00f6rungsthemen (siehe <a href=\"http:\/\/www.gamestar.de\/spiele\/the-secret-world\/test\/the_secret_world,44828,2569543.html\">-&gt;L\u00fcck, Patrick \/ Gebauer, Jochen: Verschw\u00f6rungstheorie zum Selberspielen<\/a>, in: Gamestar.de, 3.7.2012 (im Print die Tests aus 2\/2013, 9\/2012)). Diese machen jedoch nur einen Teil des Spielgeschehens aus. Ich empfand die R\u00e4nkespiele um drei gro\u00dfe und mehrere kleine <strong>Geheimorden<\/strong> weniger kritisch, vielleicht schon deswegen, weil ich anstatt zu den \u00fcberdrehten Illuminaten zu den eher staatstragenden Templern stie\u00df. Zudem bemerkte ich, dass viele Charaktere der Spielwelt den offiziellen Ideologien und Pl\u00e4nen der Geheimb\u00fcnde selbst am\u00fcsiert, kritisch oder h\u00f6hnisch begegneten (siehe <a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=1216\">-&gt;INNOVATION: Da wohnt doch was im Schrank<\/a>, in: Keimling vom 5.10.2012).<\/p>\n<p>Als eines der wenigen digitalen Spieleproduktionen \u00fcberhaupt nimmt sich <a href=\"http:\/\/www.thesecretworld.com\">-&gt;The Secret World<\/a> heraus, keine eindeutigen Perspektiven einzunehmen &#8211; selbst die eigene Figur zeigt sich durch Mimik und Gestik kritisch. (Selbst sprechen konnte sie leider nicht.) Dieses Ma\u00df an Multiperspektivit\u00e4t ist nicht nur f\u00fcr ein Online-Rollenspiel au\u00dfergew\u00f6hnlich, sondern grunds\u00e4tzlich eine ungew\u00f6hnliche Haltung f\u00fcr ein digitales Spiel. Auf die leicht suffisante Haltung des Journalisten folgte zum Release 2012 der Verzicht auf eine <strong>Wertung<\/strong>, da das Spiel f\u00fcr ein MMO noch nicht gen\u00fcgend ausgetestet war. Wenn das Publikum an eine Zahlenwertung gew\u00f6hnt ist, wirkt der ausdr\u00fcckliche Verzicht auf eine solche Wertung fatal. Weltweit zeigten die journalistischen Wertungen und die Urteile von K\u00e4ufern zu <a href=\"http:\/\/www.thesecretworld.com\/\">-&gt;The Secret World<\/a> die gr\u00f6\u00dften Diskrepanzen, die je gemessen wurden (<a href=\"http:\/\/www.metacritic.com\/game\/pc\/the-secret-world\">-&gt;Metacritic<\/a>). Ein Zeichen daf\u00fcr, dass mit den angeblich so objektiven Benotungssystemen etwas nicht stimmte.<\/p>\n<dl id=\"attachment_2408_gh67\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 510px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\">httpvh:\/\/youtu.be\/7HbSTAr653k<\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Mit sp\u00f6ttischem Tonfall rezensierte Jochen Gebauer das Szenario des Online-Rollenspiels aus Geheimb\u00fcnden und ihren Verschw\u00f6rungen, womit er den gesamten Beitrag f\u00e4rbte, obwohl sie nur ein Aspekt unter vielen in der Spielwelt stellen. (The Secret World &#8211; Test \/ Review &#8211; Kontrollbesuch mit Langzeittest (Gameplay) | Kanal Gamestar via Youtube)<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Ein besonders befremdliches Beispiel bot zweitens der Test zum polnischen Kriegspiel <a href=\"http:\/\/www.11bitstudios.com\/games\/16\/this-war-of-mine\">-&gt;This War of Mine<\/a>. In ihrem Test enthielt sich die <a href=\"http:\/\/www.gamestar.de\/\">-&gt;Gamestar<\/a> tats\u00e4chlich eben deswegen einer Wertung &#8211; und das muss man mal einen Moment wirken lassen &#8211; , weil das Spiel, welches das <strong>Elend<\/strong> von Zivilisten in Kriegsgebieten thematisierte, zwar fesselnd, aber bedr\u00fcckend sei. Es sei halt keine Freude, eine Gruppe kranker, verletzter und hungernder Zivilisten tags vor den Gefechten und marodierenden Banditen zu sch\u00fctzen und sie nachts unter Lebensgefahr auf der Suche nach Pflastern und Trinkwasser durch unsicheres Terrain zu schicken. Eine Spielspa\u00df-Wertung sei daher nicht m\u00f6glich (siehe Test von Kogel, Dennis: Hungrig, m\u00fcde, depressiv, in: Gamestar 1\/2015, S. 76\/77 <a href=\"http:\/\/www.gamestar.de\/spiele\/this-war-of-mine\/test\/this_war_of_mine,50731,3080365.html\">-&gt;Online-Version<\/a>).<\/p>\n<p>Also bekam das hochklassige Meisterwerk keine Abschlussnote und wurde zu einem <strong>Sonderling<\/strong> degradiert. Das aufr\u00fcttelnde Mahnmal stand nun abseits von anderen Titeln, anstatt es als Bereicherung der Spielekultur zu empfinden, als Erweiterung des Spektrums, was Spiele k\u00f6nnen. Auch wenn es keinen Spa\u00df macht, die Zivilisten \u00fcber vierzig Tage im Kriegsgebiet zu retten, ist es doch eine fesselnde und herausfordernde Spielerfahrung ganz eigener Art (siehe <a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2402\">-&gt;INNOVATION: Nimm es ruhig pers\u00f6nlich<\/a>, in: Keimling vom 12.7.2015). So liefert dieser Fall weitere Munition gegen die absurden Folgen zahlenfixierter Wertungsdebatten.<\/p>\n<dl id=\"attachment_2408_s5f6\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 510px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\">httpvh:\/\/youtu.be\/F_Sx6N45L1I<\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Das \u00dcberleben im fesselnden &#8218;This War of Mine&#8216; wird umso bedr\u00fcckender, als dass mit der Erweiterung nun auch Kinder das Kriegsgeschehen \u00fcberstehen m\u00fcssen. (This War of Mine: The Little Ones &#8211; Launch Trailer &#8222;Super Dad&#8220; [UK] | Kanal Deep Silver via Youtube)<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Von dem seltsamen Fetisch der Zahlenwertungen scheint sich der journalistische Bereich also nicht trennen zu k\u00f6nnen, obwohl seine absurden Ausw\u00fcchse mittlerweile ins Auge springen. Niemand k\u00e4me analog auf die Idee, bei der Betrachtung einer Statue oder eines Gem\u00e4ldes in das Museum hineinzurufen: &#8222;Neun von zehn Punkten!&#8220; Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen <strong>Kultur-Anachronismus<\/strong> k\u00f6nnten bei den Lesern zu finden ein. Deshalb wird der zweite Teil dieser Serie die Schwierigkeiten behandeln, welche dem Journalismus und seinen Lesern infolge angestaubter Geisteshaltungen entstehen.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig ver\u00e4ndern aber noch weitere Entwicklungen den Spielejournalismus rasant. Der Printbereich w\u00e4lzt sich um, Youtuber schie\u00dfen aus dem Boden wie Pilze nach einem Sommerregen, ein TV-Sender entsteht und sogar die Besitzverh\u00e4ltnisse durchleben bedeutende <strong>Ver\u00e4nderungen<\/strong>. F\u00fcr mich klingt das gar nicht nach Niedergang, sondern &#8211; so hart auch die finanziellen Bedingungen sein m\u00f6gen &#8211; nach Aufbruchstimmung. Die nachfolgenden Artikel der mehrteiligen Beitragsreihe werden diese Entwicklungen im Detail diskutieren.<\/p>\n<p>Achso, ja, h\u00e4tte ich das doch fast vergessen. Wenn Sie noch etwas erg\u00e4nzen wollen: <em>Schreiben Sie&#8217;s mir gern in die Comments&#8230;<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>weiter zu <a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2706\"><strong>Teil 2 &#8211; Altlast des Objektivismus<\/strong><\/a><\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 1 &#8211; Feuilleton gegen Stiftung Warentest Schon lange hatte ich geplant, dem Spielejournalismus in seinen verschiedenen Formen, einen umfassenden Beitrag zu widmen. Der Artikel sollte vor allem die gegenw\u00e4rtige Lage der Redakteure und TV-Produzenten kommentieren &#8211; mit einem Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum. 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