{"id":2443,"date":"2015-08-09T22:56:01","date_gmt":"2015-08-09T20:56:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2443"},"modified":"2015-08-09T22:56:45","modified_gmt":"2015-08-09T20:56:45","slug":"news-monster-des-krieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2443","title":{"rendered":"NEWS: Monster des Krieges"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"headline_sub\">Studierende inszenieren die Leiden im Ersten Weltkrieg durch das Horror-Survival &#8222;Ad Infinitum&#8220;<\/h3>\n<p>Die Gr\u00e4ben sind feucht und schlammig. Bei jedem Schritt sapschen die F\u00fc\u00dfe in den vollgesogenen Stiefeln des Soldaten, der sich gerade m\u00fchsam vom Boden aufgerappelt hat. Vom Himmel scheint nur wolkiges Zwielicht, aus dem ihm leichter Nieselregen ins Gesicht spr\u00fcht. So senkt er den Blick lieber in die Gr\u00e4ben. Doch, wo sind all die anderen K\u00e4mpfer hin? Gespenstisch still und leer, ohne eine <strong>Menschenseele<\/strong>, erstreckt sich das Gewirr aus G\u00e4ngen und Unterst\u00e4nden vor dem Soldaten, der z\u00f6gerlich seinen Weg fortsetzt. Sein tr\u00fcber Blick erhascht eine verschwommene Gestalt, die weiter hinten in einer Biegung verschwindet. Ist es ein anderer Soldat? Der Soldat strauchelt, als st\u00e4rkerer Regen beginnt, den Untergrund aufzuweichen.\u00a0 Als er sich wieder f\u00e4ngt und aufrichtet, ist die Gestalt pl\u00f6tzlich nur noch wenige Meter entfernt und eindeutig kein Mensch: Ein geisterhafter Albtraum spielt, nur wenige Schritte entfernt, bedrohlich mit seinen spitzen Krallen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2445\" aria-describedby=\"caption-attachment-2445\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/AdInfinitum_Trench-Creature01_Official.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2445\" src=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/AdInfinitum_Trench-Creature01_Official.jpg\" alt=\"Die Schatten des Ersten Weltkrieges sind h\u00e4\u00dflich. Vom Horror-Survival Hamburger Studierender kann man das allerdings nicht behaupten. (Abb. Offizieller Screenshot Ad Infinitum Webseite)\" width=\"500\" height=\"281\" srcset=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/AdInfinitum_Trench-Creature01_Official.jpg 500w, https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/AdInfinitum_Trench-Creature01_Official-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2445\" class=\"wp-caption-text\">Die Schatten des Ersten Weltkrieges sind h\u00e4\u00dflich. Vom dem Horror-Survival Hamburger Studierender kann man das allerdings nicht behaupten. (Abb. Offizieller Screenshot Ad Infinitum Webseite)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese Szene k\u00f6nnte nun den Auftakt zu einem konventionellen Horror-Survival bilden, wie ich sie bereits angesichts der ausgefallenen Spielidee von <a href=\"http:\/\/www.thedeependgames.com\/\" target=\"_blank\">-&gt;Perception<\/a> im letzten Beitrag kritisierte (siehe <a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2434\">-&gt;NEWS: Blinde Flecken vom 18. Juli 2015<\/a>). Solche <strong>Horror-Survivals<\/strong> geben den Spielern und ihren Hauptfiguren kaum etwas an die Hand, um sich gegen dunkle Kreaturen zur Wehr zu setzen. Wenn nicht die den Schattenwesen \u00fcberlegene Intelligenz, dann rettet doch zumindest eine hastige Flucht den Spielenden das virtuelle Leben. Waffen, wenn es sie \u00fcberhaupt gibt, werden nur in allerh\u00f6chsten Notsituationen eingesetzt, weil sie entweder wenig wirken, knapp aufmunitioniert sind oder mit ihrer Lautst\u00e4rke nur noch mehr Unviecher anlocken. Uninspirierte Schockerspiele \u00fcber Zombies und andere geifernde Monstergesellen gibt es allerdings bald mehr, als man Sandk\u00f6rner am Elbstrand z\u00e4hlen k\u00f6nnte.<\/p>\n<dl id=\"attachment_2445_898j\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 510px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\">httpvh:\/\/youtu.be\/eprVKIH4Xxs<\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Im ersten Game Trailer offenbaren die Entwickler von Ad Infinitum ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr die bedrohliche Umgebung, ihre orientierungslose, ver\u00e4ngstigte Hauptfigur und Horror-Atmosph\u00e4re. (Ad Infinitum | Official Game Trailer \/ Kanal Ad Infinitum via Youtube)<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Die oben beschriebene Szene entstammt dagegen dem Deb\u00fct-Trailer von <a href=\"http:\/\/adinfinitum-game.com\/\" target=\"_blank\">-&gt;Ad Infinitum<\/a>. Dabei handelt es sich um ein au\u00dfergew\u00f6hnliches <strong>Studienprojekt<\/strong>, welches das unaussprechliche Grauen und die verzweifelten Leiden in den Gr\u00e4ben des Ersten Weltkriegs transportieren m\u00f6chte, indem es die Instrumente des obigen Horror-Genres nutzt. Dem vierk\u00f6pfigen Team, bestehend aus Studierenden des <a href=\"http:\/\/www.gamesmaster-hamburg.de\/\" target=\"_blank\">-&gt;Games Master<\/a> an der<a href=\"http:\/\/www.haw-hamburg.de\/medientechnik\/studiengaenge\/sound-vision-games.html\" target=\"_blank\"> -&gt;Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften (HAW)<\/a> in Hamburg, gelingt es nicht nur mit den ersten ver\u00f6ffentlichten Eindr\u00fccken, diesen Anspruch greifbar zu machen. Zudem m\u00fcssen sich weder die Spielumgebung noch die bislang umgesetzte Mechanik technisch hinter aktuellen Produktionen nicht verstecken&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Anhand der spielbaren Demo eines Tutorials, die auf der Engine <a href=\"https:\/\/www.unrealengine.com\/unreal-engine-4\" target=\"_blank\">-&gt;Unreal4<\/a> basiert, konnte man sich auf der Projektpr\u00e4sentation an der HAW Hamburg im Juli davon vergewissern, wie ernst es den <a href=\"http:\/\/adinfinitum-game.com\/?page_id=70\" target=\"_blank\">-&gt;vier Entwicklern<\/a> mit ihrer <strong>Botschaft<\/strong> ist. Mit einem von ihnen, David-Kay Sol\u00e8r, tauschte ich mich bereits nach <a href=\"http:\/\/www.elbe-studios.de\/?VID=192\" target=\"_blank\">-&gt;meinem Vortrag <\/a>am 5. Mai in der <a href=\"http:\/\/www.rcmc-hamburg.de\/schwerpunkte\/spiele-und-virtuelle-welten\/subkulturen-des-spiels\/\" target=\"_blank\">-&gt;Ringvorlesung &#8222;Subkulturen des Spiels&#8220;<\/a> \u00fcber das faszinierende Projekt aus. Einen kleinen Ausschnitt des Gespr\u00e4chs zeigt die <a href=\"http:\/\/www.elbe-studios.de\/?CLIP=891&amp;pos=07\" target=\"_blank\">-&gt;Diskussionsrunde<\/a> auf dem Portal der <a href=\"http:\/\/www.elbe-studios.de\" target=\"_blank\">-&gt;Elbe Studios<\/a>, die am Ende meines Vortrags noch mitgeschnitten wurde.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite sollen Schnipsel von Tageb\u00fcchern, welche in den Levels zu finden sind, Einblicke in die Lebenswirklichkeit damaliger Frontsoldaten geben. Haupts\u00e4chlich irrt der Soldat durch die Gr\u00e4ben, um seinen Bruder wieder zu finden. Sol\u00e8r ist es sehr wichtig, dass diese Soldaten nicht explizit einer Nationalit\u00e4t zuzuordnen sind. Um den Protagonisten zu einem <strong>Stellvertreter<\/strong> f\u00fcr viele Schicksale werden zu lassen, konstruiert er die Tagebucheintr\u00e4ge f\u00fcr das Spiel aus unterschiedlichen \u00fcberlieferten Quellen. Die zweite Seite des Projektes folgt einem ebenso erfrischend anderen Ansatz: <a href=\"http:\/\/adinfinitum-game.com\/\" target=\"_blank\">-&gt;Ad Infinitum<\/a> versucht den Ersten Weltkrieg gar nicht erst lebenswirklich akkurat darzustellen, vielmehr wollen die Entwickler, Emotionen abstrakt und symbolhaft in die Spielrealit\u00e4t \u00fcbertragen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2452\" aria-describedby=\"caption-attachment-2452\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/adinfinitum_trench-journal01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2452\" src=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/adinfinitum_trench-journal01.jpg\" alt=\"Abb. Neben Tr\u00fcmmern, Schlamm und Elend trifft die Hauptfigur auf Relikte von Erinnerungen aus Tageb\u00fcchern. (Abb. Offizieller Screenshot Webseite Ad Infinitum)\" width=\"500\" height=\"281\" srcset=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/adinfinitum_trench-journal01.jpg 500w, https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/adinfinitum_trench-journal01-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2452\" class=\"wp-caption-text\">Abb. Neben Tr\u00fcmmern, Schlamm und Elend trifft die Hauptfigur auf Relikte von Erinnerungen aus Tageb\u00fcchern. (Abb. Offizieller Screenshot Webseite Ad Infinitum)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das eingangs erw\u00e4hnte Monster dient daher nicht einfach nur als Objekt f\u00fcr Ziel\u00fcbungen, sondern steht f\u00fcr die grauenhaften Erfahrungen, \u00c4ngste und Sorgen, welche den Soldaten heimsuchen und die er bek\u00e4mpft. Die Gegner sollen \u00e4hnliche Gef\u00fchle in den Spielenden ausl\u00f6sen. So \u00fcberzeugend ich diesen Einfall prinzipiell finde, ist abzuwarten, wie das Team diese <strong>Anspr\u00fcche<\/strong> im Spiel einl\u00f6st. Es ist wohl kaum eine leichte Aufgabe, in unterschiedlichen Spielern und Spielerinnen kontrolliert Emotionen auszul\u00f6sen, die zu vergleichbaren Spielerfahrungen f\u00fchren. Vor allem m\u00fcsste es den Vieren gelingen, vielschichtige Stimmungen m\u00f6glichst \u00fcberraschend durch die Begegnungen zu inszenieren, ohne dass sich Monotonie einstellt.<\/p>\n<p>Die in Hamburg zu beobachtende Demo jedenfalls unterstrich, dass mit <a href=\"http:\/\/adinfinitum-game.com\/\" target=\"_blank\">-&gt;Ad Infinitum<\/a> auf keinen Fall ein Spiel entsteht, in dem der Protagonist wie im j\u00fcngst angek\u00fcndigten <a href=\"http:\/\/bethsoft.com\/de-de\/games\/doom\" target=\"_blank\">-&gt;Doom<\/a>-Ableger Monsterhorden im Alleingang ausradieren w\u00fcrde. Eher vergleichbar d\u00fcrfte das Erlebnis mit dem surrealen Abenteuer <a href=\"http:\/\/ethancartergame.com\/\" target=\"_blank\">-&gt;The Vanishing of Ethan Carter<\/a> sein, eine Art Videospiel gewordenes <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Twin_Peaks\" target=\"_blank\">-&gt;Twin Peaks<\/a> mit kaum vorhersehbaren Wendungen. Gew\u00fcrzt wird diese Grundlage mit bedrohlich erschreckenden <strong>Facetten<\/strong>, die an <a href=\"http:\/\/slendergame.com\/\" target=\"_blank\">-&gt;Slender Man<\/a> erinnern. Dort verfolgt ein gesichtsloser Mann die Spieler, was mit schlichtesten Mitteln f\u00fcr unsagbare Schockmomente sorgt. Zudem findet sich etwas von <a href=\"http:\/\/www.ubi.com\/DE\/Games\/Info.aspx?pId=12079\" target=\"_blank\">-&gt;Valiant Hearts: The Great War<\/a> darin wieder, einem zweidimensionalen Action-Adventure. Als erstes Videospiel inszenierte es 2014 den Ersten Weltkrieg emotional, nations\u00fcbergreifend, famili\u00e4r und pers\u00f6nlich (siehe <a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=2176\" target=\"_blank\">-&gt;INNOVATION: Zersiebt, verlobt, verheiratet<\/a> vom 6. Oktober 2014).<\/p>\n<dl id=\"attachment_2452_gg78\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 510px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\">httpvh:\/\/youtu.be\/dwe6UFGvCS4<\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">In den spielbaren Sequenzen zeigten sich athmosph\u00e4rische Parallelen zu &#8222;The Vanishing of Ethan Carter&#8220;, f\u00fcgt man eine Portion Horror mehr hinzu. (The Vanishing of Ethan Carter &#8211; Welcome to Red Creek Valley Trailer \/ Kanal GameSpot via Youtube)<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Die Studierenden haben sich f\u00fcr dieses Projekt gro\u00dfe Verantwortung aufgeladen, weil sie nicht nur auf technischer und spielmechanischer Ebene beeindrucken wollen. Bewundernswert ist zudem, dass Sie versuchen, einem Genre mithilfe historischer <strong>Finessen<\/strong> einen innovativen Stempel aufzu dr\u00fccken. Die Ans\u00e4tze stimmen, es bleibt aber eine spannende Frage, wie die Entwickler mit dem historischen Erbe umgehen werden. Mentalit\u00e4t, Atmosph\u00e4re und Emotionalit\u00e4t sind schlie\u00dflich als geschichtliche Kategorien auch in der Fachwissenschaft hei\u00df umfochten. Da sich die historische Wissenschaft immer noch viel zu wenig mit digitalen Welten auseinandersetzt, w\u00e4re ein intelligenter Entwurf durch <a href=\"http:\/\/adinfinitum-game.com\/\" target=\"_blank\">-&gt;Ad Infinitum<\/a> m\u00f6glicherweise auch ein Tor\u00f6ffner, um eine zeitgem\u00e4\u00dfe Debatte \u00fcber Chancen des Mediums f\u00fcr historische Inszenierungen anzusto\u00dfen. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn die Entwickler neben den Monstern des Krieges dadurch auch die Monstrosit\u00e4t historischer Inszenierungen in Videospielen bezwingen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studierende inszenieren die Leiden im Ersten Weltkrieg durch das Horror-Survival &#8222;Ad Infinitum&#8220; Die Gr\u00e4ben sind feucht und schlammig. Bei jedem Schritt sapschen die F\u00fc\u00dfe in den vollgesogenen Stiefeln des Soldaten, der sich gerade m\u00fchsam vom Boden aufgerappelt hat. Vom Himmel scheint nur wolkiges Zwielicht, aus dem ihm leichter Nieselregen ins Gesicht spr\u00fcht. 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