{"id":1960,"date":"2014-04-23T11:23:18","date_gmt":"2014-04-23T09:23:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=1960"},"modified":"2014-04-23T11:31:11","modified_gmt":"2014-04-23T09:31:11","slug":"kommentar-bunkermentalitaeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=1960","title":{"rendered":"KOMMENTAR: Bunkermentalit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"headline_sub\">Zwei Gamesredakteure werden von ihrer eigenen Chuzpe \u00fcberrumpelt<\/h3>\n<p>Was k\u00f6nnte geeigneter sein, um meine neue T\u00e4tigkeit in der <a title=\"Public History @ Universit\u00e4t Hamburg\" href=\"http:\/\/www.abk-geschichte.uni-hamburg.de\/\" target=\"_blank\">-&gt;Public History<\/a> an der <a title=\"Universit\u00e4t Hamburg - Offizielle Seite\" href=\"http:\/\/www.uni-hamburg.de\/\" target=\"_blank\">-&gt;Universit\u00e4t Hamburg<\/a> einzul\u00e4uten, als sich mit dem j\u00fcngsten Aprilscherz zweier Branchenveteranen zu befassen, die schon geraume Zeit \u00fcber Videospiele berichten. Es k\u00f6nnte kaum ein besseres Beispiel daf\u00fcr geben, wie relevant es ist, sich mit dem \u00f6ffentlichen <strong>Gebrauch<\/strong> von historischen Zusammenh\u00e4ngen in Medien allgemein und in der Gamesbranche im Speziellen auseinanderzusetzen. Zudem passt das Datum, an dem ich meinen neuen Job antrat &#8211; und auch das ist wohl letztlich kein Aprilscherz gewesen (siehe<a title=\"IN EIGENER SACHE: Morgend\u00e4mmerung @ Keimling\" href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=1938\"> -&gt;IN EIGENER SACHE: Morgend\u00e4mmerung<\/a> vom 9. April 2014).<\/p>\n<dl id=\"attachment_1875_0p72\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 510px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\">httpvh:\/\/youtu.be\/ulf8dDUbaNg<\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Der Kanal SiegHain war zwar als Aprilscherz gemeint, erhielt jedoch so viel positives Feedback, dass er jetzt wohl doch auf Sendung geht. (SiegHain! Der neue Spielekanal \/ Kanal SiegHain via Youtube)<\/dd>\n<\/dl>\n<p><a title=\"Fabian Siegismund @ Facebook\" href=\"https:\/\/de-de.facebook.com\/FSiegismund\">-&gt;Fabian Siegismund<\/a> war lange Jahre ebenso gut gelaunter wie fundierter Redakteur bei der <a title=\"Gamestar - Offizielle Seite\" href=\"http:\/\/www.gamestar.de\/\" target=\"_blank\">-&gt;Gamestar<\/a>, dem deutschsprachigen Flaggschiff im Videospielejournalismus. Mittlerweile kreuzt er auf <a title=\"Youtube - Offizielle Seite\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/\" target=\"_blank\">-&gt;Youtube<\/a> unter anderem mit dem <strong>Format<\/strong> <a title=\"BattleBros @ Youtube\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/battlebrosteam\" target=\"_blank\">-&gt;BattleBros<\/a>. Er k\u00fcndigte an dem von mir zun\u00e4chst \u00fcbersehenen Datum zusammen mit einem weiteren Youtuber einen neuen Kanal an. Dieser zweite im Bunde ist <a title=\"David Hain @ Facebook\" href=\"https:\/\/de-de.facebook.com\/hainlander\" target=\"_blank\">-&gt;David Hain<\/a>, der mit seinem Hauptchannel <a title=\"BeHaind @ Youtube\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/BeHaind\" target=\"_blank\">-&gt;BeHaind<\/a> recht erfolgreich ist und als einer der ehemaligen Moderatoren beim WebTV-Sender <a title=\"GIGA (Fernsehsendung) @ Wikipedia DE\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/GIGA_GREEN\" target=\"_blank\">-&gt;Giga<\/a> daf\u00fcr auch professionelles R\u00fcstzeug mitbringt.<\/p>\n<p>Nun w\u00e4re an dieser Nachricht nichts Besonderes, werden doch auf Webplattformen t\u00e4glich neue Formate erfunden, um die Nutzer bei <strong>Laune<\/strong> zu halten. Wenn aber der angek\u00fcndigte Kanal <a title=\"SiegHainTV @ Youtube\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/SiegHainTV\" target=\"_blank\">-&gt;SiegHain<\/a> getauft wird, die Moderatoren in Uniformen der Wehrmacht gekleidet sind, mit zeitgen\u00f6ssischen Pistolen hantieren und vor eine Bunkerkulisse gegreenscreent werden, seufzt der erinnerungskulturell geschulte Zuschauer zun\u00e4chst einmal: &#8222;Achherrje!&#8220; Zumal, wenn er so wie ich darauf hereinf\u00e4llt und die Ank\u00fcndigung f\u00fcr bare M\u00fcnze nimmt.<\/p>\n<p>Mein erstes <strong>Stirnrunzeln<\/strong> gl\u00e4ttete sich jedoch, nachdem ich mir das Video mehrmals angesehen hatte. Die Vorstellung der beiden Moderatoren, die aufgegriffene Thematik und die Reaktionen von Zuschauern und Videospielern warfen einige bedenkenswerte Fragen an die deutsche Erinnerungskultur auf. Allein schon, weil dieser Trailer Anlass gibt, dar\u00fcber nachzudenken, wandelte sich meine vormalige Skepsis zu vorsichtiger Unterst\u00fctzung&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es gerade bei einer Plattform wie <a title=\"Youtube - Offizielle Seite\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/\" target=\"_blank\">-&gt;Youtube<\/a> ganz vern\u00fcnftig, bei allen politischen und geschichtlichen Themen wach und vorsichtig zu bleiben, schlie\u00dflich kann hier jeder nahezu beliebige Inhalte ver\u00f6ffentlichen. Auch wenn Erotik und nackte K\u00f6rper deutlicher <strong>Sanktionierung<\/strong> durch die Betreiber unterliegen, wird in der Regel nackte Barbarei extremer Ideologien unter dem Placet der Meinungsfreiheit geduldet. Das ist nat\u00fcrlich gerade da hochproblematisch, wo Feinde der deutschen Verfassung ihre Thesen propagieren, der Gerichtsstand von Server und Anbieter jedoch weit im kalifornischen Ausland liegt.<\/p>\n<p>Und so sollte man gerade auf einer solchen Plattform hellh\u00f6rig werden, wenn islamistische Fundis, glatzk\u00f6pfige Betonhirne oder linksextreme Politikverdreher <strong>Thesen<\/strong> zu Tagespolitik, Erziehung von Kindern, der Rolle der Frau, dem Holocaust und dem Dritten Reich publizieren. Man muss sich dann auch nicht wundern, wenn bei den meisten Nutzern die Sensibilit\u00e4t gegen rechte Parolen im Netz ziemlich ausgepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<h3>Augenblick<\/h3>\n<p>In dieses Umfeld platzte der als Scherz nicht wirklich erkennbare Spot. Fabian Siegismund und David Hain schl\u00fcpften in Uniformen deutscher Landser, um zwei deutsche Soldaten in einem angeblich jetzt erst wieder entdeckten <strong>Bunker<\/strong> zu verk\u00f6rpern. Verwirrt und doch fasziniert nehmen sie daher moderne Erzeugnisse der Medienbranche in Augenschein und kommentieren sie. In Anlehnung an diverse nicht mehr ganz taufrische Scherze, die schon seit Jahren in der Gamingszene kursieren, ordnen sie zum Beispiel <a title=\"Modern Warfare 3 @ Infinity Ward\" href=\"http:\/\/www.callofduty.com\/de\/mw3\" target=\"_blank\">-&gt;Call of Duty: Modern Warfare<\/a> in das Fantasy-Genre ein. Schlie\u00dflich m\u00fcsse es ein Paralleluniversum sein, w\u00fcrden Amerikaner die Deutschen auf dem Schlachtfeld besiegen.<\/p>\n<p>Weitere Ausz\u00fcge gef\u00e4llig? Ein Soldat stellt fest, der Multiplayer-Shooter <a title=\"Team Fortress @ Valve\" href=\"http:\/\/www.teamfortress.com\/\" target=\"_blank\">-&gt;Team Fortress<\/a> von <a title=\"Valve Software - Offizielle Seite\" href=\"http:\/\/www.valvesoftware.com\/\" target=\"_blank\">-&gt;Valve<\/a> handele von einem deutschen Arzt, der seine Truppen zum Sieg f\u00fchren w\u00fcrde. Das sei ausgezeichnet. Der andere wirft aber ein, dieser Arzt heile auch den russischen MG-Sch\u00fctzen, und er sei nicht sicher, ob <em>das<\/em> der F\u00fchrer guthei\u00dfen w\u00fcrde. Als der eine dem anderen von dem Spiel <a title=\"Wolfenstein: The New Order @ ZeniMax Media\" href=\"http:\/\/www.wolfenstein-spiel.de\/\" target=\"_blank\">-&gt;Wolfenstein: The New Order<\/a> (<a title=\"Bethesda @ Zenimax\" href=\"http:\/\/bethsoft.com\/age\" target=\"_blank\">-&gt;Bethesda<\/a>\/<a title=\"Machine Games @ Zenimax\" href=\"http:\/\/www.machinegames.com\/home.php?lang=de\" target=\"_blank\">-&gt;Machine Games<\/a>) berichtet (&#8222;Yeeeeeees, we like se title!&#8220;), muss er einr\u00e4umen, dass sich dort ein weissrussischer Widerstandsk\u00e4mpfer seinen Weg durch Reihen von Wehrmachtssoldaten freischie\u00dft. Sein Ziel sei es, das Vaterland zu st\u00fcrzen. Das versteht der andere nicht, denn warum solle irgend jemand den B\u00f6sen spielen wollen. Auch das iPhone bekommt sein Fett weg &#8211; es m\u00fcsse sich um eine deutsche Geheimentwicklung handeln.<\/p>\n<p>Das Ganze bekommt eine besonders merkw\u00fcrdige Note dadurch, dass die beiden Soldaten die meiste Zeit englisch sprechen &#8211; mit betont aufgesetztem deutschen <strong>Akzent<\/strong> und eingestreuten deutschen Worten und S\u00e4tzen. Besonders befremdlich ist die englischsprachige Version, die als alternativer Trailer (siehe das eingebundene Video) ver\u00f6ffentlicht wurde. Als dann der Name des Kanals <a title=\"SiegHainTV @ Youtube\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/SiegHainTV\" target=\"_blank\">-&gt;SiegHain<\/a> erscheint, ist der Schriftzug nat\u00fcrlich auch noch mit dem Reichsadler garniert.<\/p>\n<dl id=\"attachment_1875_0zz1\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 510px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\">httpvh:\/\/youtu.be\/RmZerX7Agkw<\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Die vollst\u00e4ndig englischsprachige Version des Trailers wirkt noch befremdlicher als das Original. (Sieg Hain! The Trailer \/ Kanal BattleBros via Youtube)<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Ein Hantieren mit diesem Thema ruft eigentlich ebenso schnell falsche Freunde hervor, wie es kritische Hysteriker provoziert. In diesem Fall aber lief aber alles ganz anders. Es blieben die \u00fcblichen Massen an radikalen Hetzkommentaren aus, ebenso aber blieb auch die Armee der politisch \u00dcberkorrekten in ihren Kasernen. Im Gegenteil brandete eine <strong>Welle<\/strong> von unterst\u00fctzenden Bemerkungen \u00fcber die beiden \u00fcberraschten Youtuber herein. Die interessierten Abonnenten summierten sich binnen Kurzem auf mehr als 15.000. Das ist schon eine beachtliche Leistung f\u00fcr einen Kanal, in den zu diesem Zeitpunkt au\u00dfer dem besagten Video nichts weiter eingestellt war.<\/p>\n<h3>Blick hinter die Kulissen<\/h3>\n<p>Um zu entschl\u00fcsseln, was die Nutzer denn so an der Inszenierung fasziniert, sollte man das Video gr\u00fcndlich kontextualisieren. Besonders gilt dies, wenn man <strong>bewerten<\/strong> m\u00f6chte, ob das denn nun ein geeigneter Umgang mit der deutschen Geschichte sei.<\/p>\n<p>Wie wichtig das ist, kann man schon allein daran erkennen, dass der Name des Kanals <a title=\"SiegHainTV @ Youtube\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/SiegHainTV\" target=\"_blank\">-&gt;SiegHain<\/a> nur auf den ersten Blick eine blo\u00dfe Effekthascherei ist, die sich an den damaligen deutschen Gru\u00df anleht. Er ist eine ebenso passende wie hintergr\u00fcndige Kombination aus den Nachnamen der beiden Youtuber SIEGismund und HAIN. Damit wird greifbar, wie sehr dieses Projekt mit der <strong>Reputation<\/strong> beider in der Netzgemeinde und der Videospielebranche steht und f\u00e4llt. Sie sind beide langj\u00e4hrig Redakteure von Fachmedien gewesen, die sich einer gro\u00dfen Bekanntheit erfreuen. Durch ihre dortigen Aktivit\u00e4ten und \u00c4u\u00dferungen haben sie sich einen Stand erarbeitet, der ihnen Glaubw\u00fcrdigkeit und eine gewisse Seriosit\u00e4t verleiht.<\/p>\n<p>Es handelt sich also nicht um irgendwelche nach Rampenlicht gierenden <strong>Hinterb\u00e4nkler<\/strong>, die sich zuhauf bei Videoplattformen produzieren, sondern um bekannte, in gewisser Weise verl\u00e4ssliche Gr\u00f6\u00dfen mit Reputation. Damit h\u00e4ngt vermutlich auch zusammen, dass nicht nur viele Zuschauer -auch ich &#8211; ihren Kanal zun\u00e4chst als ernsthaft wahrgenommen haben, sondern diesen beiden Personen speziell auch zutrauen, ein solches Format als Satire zielsicher und einf\u00fchlend zu entwickeln.<\/p>\n<h3>Bekannt aus Film und Fernsehen<\/h3>\n<p>Denn die Thematik, ob und wie das Dritte Reich und seine Schergen in Kunst und <strong>Kultur<\/strong> aufgegriffen werden d\u00fcrfen &#8211; und das ist ein offenes Geheimnis &#8211; ist hoch aufgeladen mit vielerlei Emotionen und Interessen.<\/p>\n<p>Als Robert Harris 1992 mit seinem Buch <a title=\"Robert Harris: Vaterland @ Heyne via Amazon\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Vaterland-Robert-Harris\/dp\/3453072057\/\" target=\"_blank\">-&gt;Vaterland<\/a> ein Paralleluniversum zeichnete, in dem ein alternder Hitler das Dritte Reich bis in die sechziger Jahre rettete, um nun auf seine alten Tage Friedensverhandlungen mit Kennedy einzul\u00e4uten, begegnete ihm teils heftiger <strong>Gegenwind<\/strong>. Harsch wurde zum Beispiel kritisiert, dass die Grundlage des Buches, die B\u00fcrger des Reiches h\u00e4tten vom Mordbetrieb der Nazis nichts gewusst, Wind in den Segeln der Apologeten sei. Es w\u00fcrde all jene best\u00e4tigen, die schon immer behauptet h\u00e4tten, man habe von der Ermordung der Minderheiten nichts wissen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dabei war ja gerade der Ausgangspunkt von Harris \u00dcberlegungen ein leicht anderer. Er stellte die Frage, wie die Geschichte h\u00e4tte verlaufen k\u00f6nnen, WENN die deutsche Mehrheit und vor allem das Ausland nichts gewusst H\u00c4TTE. Der Spiegel traf daher 1992 auch in einer <strong>Rezension<\/strong> nicht den richtigen Tenor. Der Rezensent schrieb, es w\u00e4re Harris um die Frage gegangen: Was w\u00e4re, wenn Hitler den Krieg gewonnen h\u00e4tte? (<a title=\"Holocaust f\u00fcr Horror-Freunde @ Der Spiegel 39\/1992\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13682396.html\" target=\"_blank\">-&gt;Holocaust f\u00fcr Horror-Freunde<\/a>, in: Der Spiegel 39\/1992 vom 21. September 1992) Auch in der Kritik an der theatralen Inszenierung des Stoffes durch Frank Castorf kommen daher noch fast zehn Jahre sp\u00e4ter weder Buch noch B\u00fchne gut weg. (Siehe zu Buch und Inszenierung <a title=\"Albert Speer der Komik @ Die Zeit 18\/2000\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2000\/18\/Albert_Speer_der_Komik\/komplettansicht\" target=\"_blank\">-&gt;Peter Kuemmel: Albert Speer der Komik<\/a>, in: Die Zeit 18\/2000 vom 27. April 2000).<\/p>\n<p>Man kennt aus dem Bereich des Films ebenfalls diese oft sehr angespannt und \u00fcberladen gef\u00fchrte Debatte. Die Verfilmung des Buches <a title=\"Downfall \/ Der Untergang @ IMDB\" href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0363163\/?ref_=nv_sr_1\" target=\"_blank\">-&gt;Der Untergang<\/a> von Joachim Fest im Jahre 2004 und hier auch besonders die Verk\u00f6rperung eines abgewirtschafteten Hitlers durch Bruno Ganz wurden mit viel Lob bedacht. Sein Anspruch auf <strong>Authentizit\u00e4t<\/strong> aber, den Bernd Eichinger als Produzent nicht m\u00fcde zu betonen wurde, sahen Historiker kritisch (Siehe <a title=\"Ich halte mich an die Geschichte. Interview mit Bernd Eichinger @ Der Spiegel 17\/2003\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-26895775.html\" target=\"_blank\">-&gt;&#8220;Ich halte mich an die Geschichte&#8220;. Interview mit Bernd Eichinger<\/a>, in: Der Spiegel 17\/2003 vom 19. April 2003 und die Kritik daran durch <a title=\"Michael Wildt: &quot;Der Untergang&quot; - Ein Film inszeniert sich als Quelle @ ZHF 2\/2005\" href=\"http:\/\/www.zeithistorische-forschungen.de\/16126041-Wildt-1-2005\" target=\"_blank\">-&gt;Michael Wildt: &#8222;Der Untergang&#8220; &#8211; Ein Film inszeniert sich als Quelle<\/a>, in: Zeithistorische Forschungen 2\/2005, H.1). Viele herangezogene Stimmen kritisieren den angeblichen Versuch des Filmes, die Deutschen von einer Kollektivschuld zu entlasten. Das Fehlen einer nichtdeutschen Perspektive trage obendrein noch dazu bei, Opfer nur in den durch den Film gezeigten Deutschen zu sehen. Das verschiebe unzul\u00e4ssig die Perspektive. Machtlos, so bedauerte Wildt, seien die differenzierten Deutungen von Historikern angesichts solch kraftvoller, bildm\u00e4chtiger Inszenierungen.<\/p>\n<dl id=\"attachment_1875_4rzt\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 510px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\">httpvh:\/\/youtu.be\/EgRMsHtJmYE<\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">&#8222;Der Untergang&#8220; provozierte ein weit auseinander gehendes Spektrum von Meinungen und gab Anlass zum Streit \u00fcber Deutungshoheiten. (Downfall &#8211; Deutscher Trailer mit engl. UT \/ Kanal filmportal via Youtube)<\/dd>\n<\/dl>\n<p>\u00dcberladen ist meiner Ansicht nach diese Debatte vor allem deswegen, weil sie verschiedenen Genres historischer Publikationen nicht unterschiedliche Schwerpunkte zugesteht. Sie abstrahiert auch nicht unterschiedliche Grade dessen, was zum Beispiel Authentizit\u00e4t in einer wissenschaftlichen Publikation und einem publikumswirksamen Spielfilm jeweils bedeutet und unterscheidet. Nicht duldbar ist f\u00fcr Wissenschaftler oft, dass Deutungen von Laien in ihr <strong>Interpretationsregime<\/strong> hineinregieren. Dabei vernachl\u00e4ssigen sie, dass auch ihr textliches Medium Schranken hat, sie selbst nicht unangreifbar Narrative aus ihren Quellen konstruieren und zum Beispiel im Bereich der Emotionen und Mentalit\u00e4ten Flanken offen lassen, die durch andere Medien geschlossen werden. Nat\u00fcrlich sorgt das Konstrukt von Vereinbarungen, was denn wissenschaftliche Arbeitsweisen seien, f\u00fcr eine gewisse Verl\u00e4sslichkeit der historischen Ergebnisse. Dieser Konsens \u00e4ndert jedoch nichts daran, dass es Bereiche gibt, f\u00fcr die es zum Beispiel keine Quellen gibt oder dass auch wissenschaftliche Arbeiten stets Interpretationen sind. F\u00fcllt ein Medium wie der Film diese L\u00fccke plausibel, kann man ihm doch nicht ernsthaft ein Existenzrecht als Rekonstruktionsversuch absprechen.<\/p>\n<dl id=\"attachment_1875_5t6h\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 510px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\">httpvh:\/\/youtu.be\/dOrHmivPEhk<\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Die \u00fcbliche Diskussion, ob man denn d\u00fcrfe, was man da tue, musste sich besonders die Satire &#8222;Mein F\u00fchrer&#8220; von Regisseur Dani Levy gefallen lassen. (Mein F\u00fchrer &#8211; Deutscher Trailer \/ Kanal filmportal via Youtube)<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Noch viel problematischer wird es, besonders in der deutschen Erinnerungskultur, wenn Personen und Themen der nationalsozialistischen Herrschaftszeit als <strong>Satire<\/strong> verarbeitet werden. Am Prominentesten war in den letzten Jahren diese Auseinandersetzung sicher durch Dani Levy&#8217;s satirischen Film <a title=\"Mein F\u00fchrer - Die wirklich wahrste Wahrheit \u00fcber Adolf Hitler @ Online-Film-Datenbank\" href=\"http:\/\/www.ofdb.de\/film\/114150,Mein-F%C3%BChrer---Die-wirklich-wahrste-Wahrheit-%C3%BCber-Adolf-Hitler\" target=\"_blank\">-&gt;Mein F\u00fchrer &#8211; Die wirklich wahrste Wahrheit \u00fcber Adolf Hitler<\/a> (2007) vertreten. Dieter Graumann, stellvertretender Vorsitzender vom Zentralrat der Juden in Deutschland, ging mit dem Film hart ins Gericht (<a title=\"Mein F\u00fchrer: Massive Kritik an Levys Hitler-Satire @ Spiegel Online\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/kino\/mein-fuehrer-massive-kritik-an-levys-hitler-satire-a-458676.html\" target=\"_blank\">-&gt;&#8220;Mein F\u00fchrer&#8220;: Massive Kritik an Levys Hitler-Satire<\/a>, in: Spiegel Online vom 9. Januar 2007), w\u00e4hrend Hauptdarsteller Helge Schneider entt\u00e4uscht war, dass er die Person Hitlers nach dem Schnittprozess nicht mehr als zentralen Schwerpunkt des Films wiederfand (<a title=\"Helge Schneider: Ich kann \u00fcber diesen Hitler nicht lachen @ S\u00fcddeutsche Zeitung\" href=\"http:\/\/sz.de\/1.619697\" target=\"_blank\">-&gt;Helge Schneider: &#8222;Ich kann \u00fcber diesen Hitler nicht lachen&#8220;<\/a>, in: S\u00fcddeutsche Zeitung vom 17. Mai 2010). Levy soll sich verteidigt haben, dass er den kompletten Umschnitt nur vorgenommen habe, weil das Testpublikum entsetzt von der Konzentration auf Hitler gewesen sei. Daraufhin habe er in einer neuen Schnittfassung der j\u00fcdischen Geschichte wesentlich mehr Raum gegeben. Diese \u00c4u\u00dferung, die aus einem Interview am 8. Januar 2007 mit dem Sender <a title=\"3sat - Offizielle Seite\" href=\"http:\/\/www.3sat.de\/index.html\" target=\"_blank\">-&gt;3sat<\/a> stammen soll, konnte ich leider nicht verifizieren (<a title=\"Mein F\u00fchrer - Die wirklich wahrste Wahrheit \u00fcber Adolf Hitler @ Wikipedia DE\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mein_F%C3%BChrer_%E2%80%93_Die_wirklich_wahrste_Wahrheit_%C3%BCber_Adolf_Hitler\" target=\"_blank\">-&gt;Eintrag zum Film bei Wikipedia DE<\/a>).<\/p>\n<dl id=\"attachment_1875_46d4\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 510px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\">httpvh:\/\/youtu.be\/bgCW8p8So7E<\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">In einem Gespr\u00e4ch mit der Deutschen Welle erl\u00e4uterte Dani Levy 2007 seine Perspektive auf die Person Hitlers. (Journal Interview: Dani Levy &#8211; Regisseur \/ Kanal DW (deutsch) via Youtube)<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Aufseiten der gedruckten Satiren erging es <a title=\"Timur Vermes @ Bastei L\u00fcbbe Eichborn\" href=\"http:\/\/www.luebbe.de\/Personen\/Details\/Timur+Vermes#subtab=1\" target=\"_blank\">-&gt;Timur Vermes<\/a> 2012 wieder sehr \u00e4hnlich. Seinem Roman <a title=\"Timur Vermes: Er ist wieder da! @ Bastei L\u00fcbbe Eichborn\" href=\"http:\/\/www.luebbe.de\/Eichborn\/Details\/Id\/978-3-8479-0517-2\" target=\"_blank\">-&gt;Er ist wieder da!<\/a> liegt die Annahme zugrunde, Hitler selbst w\u00fcrde eines morgens in unserem Jetzt mitten in Berlin erwachen und auf die Medienb\u00fchne zur\u00fcckkehren. Er stellt zur Diskussion, was wohl geschehen w\u00fcrde, wenn der F\u00fchrer unfreiwillig von der <strong>Gesellschaft<\/strong> als Kabarettnummer missverstanden w\u00fcrde. Im Buch gelingt es ihm dadurch, wesentlichen Einfluss auf die Medienlandschaft zu erlangen &#8211; mit allen daraus folgenden M\u00f6glichkeiten politischer Geltungskraft. Man mag den Humor in dem Roman als sehr plakativ und wenig hintergr\u00fcndig empfinden, seine Bezeichnung als &#8222;plumpen Einfall&#8220; (<a title=\"Diktator sucht Volk @ FAZ Archiv\" href=\"http:\/\/fazarchiv.faz.net\/document\/showSingleDoc\/FAZ__FD1201211063643360?DT_from=&amp;KO=&amp;timeFilter=&amp;timePeriod=timeFilter&amp;dosearch=new&amp;crxdefs=&amp;sext=0&amp;NN=&amp;BC=&amp;q=Er+ist+wieder+da+Timur+Vermes+2012&amp;search_in=q&amp;sorting=&amp;DT_to=&amp;CO=&amp;submitSearch=Suchen&amp;maxHits=&amp;CN=&amp;toggleFilter=&amp;&amp;annr=1623254&amp;highlight=%5CeJxzs9Li0rMqz0xNSS1SUAAyy1KLclOLwcySzNxSiGBmcQmYhqpJSQRTRgaGRkCGm1U8pUYAACsCIUI%3D%5C\" target=\"_blank\">-&gt;Oliver Jungen: Diktator sucht Volk. B\u00f6ses Erwachen &#8211; Die Hitler-Satire von Timur Vermes<\/a>, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. November 2012) ohne &#8222;literarische Qualit\u00e4t&#8220; (<a title=\"Cornelia Fiedler: Ha, ha, Hitler @ SZ vom 9. Januar 2013\" href=\"http:\/\/sz.de\/1.1568685\" target=\"_blank\">-&gt;Cornelia Fiedler: Ha, ha, Hitler. Bestseller-Roman &#8222;Er ist wieder da&#8220;<\/a>, in: S\u00fcddeutsche Zeitung vom 9. Januar 2013) ist jedoch schlichtweg verunglimpfend. Auch bei Fiedler spielt wieder herein, dass &#8222;sich der Autor dazu hinrei\u00dfen [l\u00e4\u00dft], seinen Hitler als humorigen Gesellen zu zeichnen und das wirkt letztlich verharmlosend.&#8220; Jungen findet &#8222;[d]er F\u00fchrer <em>ante portas<\/em> [&#8230;] kommt einfach viel zu sympathisch r\u00fcber.&#8220;<\/p>\n<p>Es mag sein, dass man die dort gezeichnete literarische F\u00fchrerfigur gelegentlich als sympathisch empfindet. Aber das Lachen \u00fcber die Groteske entsteht weniger dadurch, dass die Wiedergeburt Hitlers unseren Zeitgenossen mit bekannten historische Zitaten im wunderbar \u00fcbertragenen schwurbeligen F\u00fchrerduktus entgegentritt. Es geht nicht um Sympathie f\u00fcr einen leicht verwirrten Gast fremder Zeiten, der sich putzig zu unserer modernen Welt \u00e4u\u00dfert. Vielmehr entsteht die eigentliche bittere Satire dadurch, dass sich die deutsche Gesellschaft \u00fcber Hitler als angeblichen Comedy-<strong>Newcomer<\/strong> am\u00fcsiert, der sich mit seinen Vorkriegsthesen frei an unserer Gegenwart und den politischen Akteuren abarbeiten darf. Das Romankonstrukt zeigt, wie anf\u00e4llig unsere Medienlandschaften und wie hoff\u00e4hig seine Parolen noch heute in unserer Gesellschaft sind. Zum zweiten Mal nimmt man ihn und seine Thesen nicht ernst. Vermes&#8216; Buch wird meiner Ansicht nach daher v\u00f6llig unterbewertet.<\/p>\n<h3>Gaming The Past<\/h3>\n<p>Mit Abstrichen f\u00fcr das nicht verifizierte Zitat von Dani Levy zeichnen die obigen Ausf\u00fchrungen insgesamt ein gen\u00fcgend klares Bild davon, wie die Debatten um die mediale Inszenierung des Themas grunds\u00e4tzlich strukturiert sind. Mein Beitrag aber handelt von einem Bestandteil der Erinnerungskultur, der vergleichbaren Regeln folgt und dessen Stellung ohne die umfassende Einbettung in das <strong>Gesamtbild<\/strong> nicht verst\u00e4ndlich ist: dem Bereich der Videospiele. Bislang hat sich fachwissenschaftlich erst der Historiker Steffen Bender 2013 aus einer erinnerungskulturellen Perspektive mit der Darstellung der Weltkriegsphase in Videospielen befasst. Der Schwerpunkt seiner recht gelungenen Pionierarbeit <a title=\"Steffen Bender: Virtuelles Erinnern @ Amazon\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Virtuelles-Erinnern-Kriege-Jahrhunderts-Computerspielen\/dp\/3837621863\/\" target=\"_blank\">-&gt;Virtuelles Erinnern: Kriege des 20. Jahrhunderts in Computerspielen<\/a> liegt darauf, einen Katalog von Ph\u00e4nomenen zusammenzutragen, die in Videospielen aufgegriffen werden &#8211; unter anderem angelehnt an Filmmotive.<\/p>\n<p>Leider l\u00e4sst er dadurch noch viele Fragen offen, die substantiell \u00fcber eine solche Bestandsaufnahme hinaus f\u00fchren w\u00fcrden. Seine Untersuchung kann nicht zeigen, welchen Einfluss die von ihm vorgefundenen Ph\u00e4nomene auf die Erinnerungskultur der Spielerschaft haben, welche <strong>Erinnerungkultur<\/strong> sich daher mit dem Gezeigten r\u00fcckkoppelt und welcher Bedeutung die aktive Funktion des Spielers bei der Entstehung von Spielszenen bzw. Erinnerungsmomenten ist. Gezielte Arbeiten dazu, die Inszenierung des Dritten Reiches und seiner Akteure in Videospielen zu untersuchen und in Bezug zur deutschen Erinnerungskultur zu stellen, existieren bislang nicht.<\/p>\n<p>Auch wenn eine Reflexion \u00fcber den Umgang mit historischen Inhalten wissenschaftlich und journalistisch sowie in der Branche selbst viel zu selten vorkommt, sind Videospiele und die Spielergemeinde keineswegs ein zu vernachl\u00e4ssigender Anteil der Erinnerungskultur. Das hat sogar die Politik erkannt. Peter Tauber, Mitglied der Enquetekommission des Bundestages f\u00fcr &#8222;Internet und Digitale Gesellschaft&#8220; und studierter Historiker, bem\u00e4ngelte j\u00fcngst, dass geschichtswissenschaftliche <strong>Analysen<\/strong> von Games weitgehend fehlen w\u00fcrden, in denen l\u00e4ngst &#8222;das Aufgreifen und Verarbeiten von tradierten Geschichtsbildern [&#8230;] gang und g\u00e4be ist.&#8220; (<a title=\"Alles nur ein Spiel - zum Geschichtsbild in Computerspielen zwei Lekt\u00fcrehinweise @ Schwarzer Peter vom 14. Oktober 2013\" href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1867\" target=\"_blank\">-&gt;Peter Tauber: &#8222;&#8218;Alles nur ein Spiel&#8216; &#8211; zum Geschichtsbild in Computerspielen zwei Lekt\u00fcrehinweise&#8220;<\/a>, in: Schwarzer Peter. Blog von Peter Tauber vom 14. Oktober 2013). Warum diesem Auftrag gerade von der historischen Fachwissenschaft im Gegensatz zu anderen Disziplinen nur so z\u00f6gerlich nachgekommen wird, ist mir pers\u00f6nlich schon lange vollkommen r\u00e4tselhaft (siehe hierzu ausf\u00fchrlich <a title=\"DGBL: Das Ende der Finsternis @ Keimling vom 23. Oktober 2012\" href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=1307\">-&gt;DGBL: Das Ende der Finsternis (Teil 1)<\/a> vom 23. Oktober 2012).<\/p>\n<h3>Spielgesellschaft<\/h3>\n<p>Im Jahr 2013 spielte ein erheblicher Teil der Bev\u00f6lkerung Videospiele, bei Weitem nicht mehr beschr\u00e4nkt auf pickelige Teenager in abgedunkelten Abbruchwohnungen &#8211; wenn das Klischee \u00fcberhaupt jemals zutreffend gewesen sein sollte. Der <a title=\"Bundesverband Interaktive Unterhaltungsmedien - Offizielle Seite\" href=\"http:\/\/www.biu-online.de\/\" target=\"_blank\">-&gt;Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e. V.<\/a> (BIU), neben dem Entwicklerverband <a title=\"G.A.M.E. Bundesverband - Offizielle Seite\" href=\"http:\/\/www.game-bundesverband.de\/index.php\/de\/\" target=\"_blank\">-&gt;G.A.M.E.<\/a> der zweite gro\u00dfe Verband der deutschen Branche, ermittelte in einer Befragung durch die <a title=\"Gesellschaft f\u00fcr Konsumforschung (GfK)\" href=\"http:\/\/www.gfk.com\/de\/Seiten\/default.aspx\" target=\"_blank\">-&gt;Gesellschaft f\u00fcr Konsumforschung <\/a>(GfK) im Jahr 2013 Daten \u00fcber den <strong>Spielemarkt<\/strong>. \u00dcber alle Altersgruppen spielten digitale Spiele 31,5 Millionen Menschen in Deutschland, 26 Millionen davon regelm\u00e4\u00dfig (siehe <a title=\"Archiv @ BIU\" href=\"http:\/\/www.biu-online.de\/de\/fakten\/nutzer-statistiken\/archiv.html\" target=\"_blank\">-&gt;Archiv<\/a> des BIU). Nach den Zahlen des <a title=\"Statistisches Bundesamt (DSTATIS) - Offizielle Seite\" href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/ZahlenFakten\/GesellschaftStaat\/Bevoelkerung\/Bevoelkerungsstand\/Tabellen\/Zensus_Geschlecht_Staatsangehoerigkeit.html\" target=\"_blank\">-&gt;Statistischen Bundesamtes<\/a> (DSTATIS) lebten im Land 2013 ca. 80,6 Millionen Menschen. Der Anteil von Spielern bel\u00e4uft sich daher auf beachtliche 40 Prozent. F\u00fcr die Altersgruppe zwischen zw\u00f6lf und 19 Jahren erhebt die <a title=\"JIM Studie 2013 @ MPFS\" href=\"http:\/\/www.mpfs.de\/index.php?id=276\" target=\"_blank\">-&gt;JIM-Studie<\/a> (Jugend, Information, (Multi-)Media) des <a title=\"Medienp\u00e4dagogischer Forschungsverbund S\u00fcdwest (MPFS) - Offizielle Seite\" href=\"http:\/\/www.mpfs.de\/index.php\" target=\"_blank\">-&gt;Medienp\u00e4dagogischen Forschungsverbundes S\u00fcdwest <\/a>(MPFS) seit 1998 j\u00e4hrlich Daten. Der <a title=\"JIM Studie 2013 @ MPFS\" href=\"http:\/\/www.mpfs.de\/index.php?id=613\" target=\"_blank\">-&gt;Bericht f\u00fcr 2013<\/a> stellt auf Seite 45 fest, dass von diesen Jugendlichen sogar 83 Prozent digitale Spiele auf verschiedenen Plattformen nutzen, 45 Prozent sogar regelm\u00e4\u00dfig. Es ist v\u00f6llig eindeutig, dass Videospiele ein breites Spektrum der deutschen Gesellschaft erreichen.<\/p>\n<p>Wie oben erw\u00e4hnt, w\u00e4chst der Anteil von Spielen mit historischen Anleihen am Gesamtmarkt st\u00e4ndig. Dies ist nur mein pers\u00f6nlicher Erfahrungswert, denn leider existieren dazu keine publizierten Zahlen. <a title=\"Prof. Dr. Angela Schwarz @ Universit\u00e4t Siegen\" href=\"http:\/\/www.uni-siegen.de\/phil\/geschichte\/mitarbeiter\/schwarz\/\" target=\"_blank\">-&gt;Angela Schwarz<\/a>, Professorin f\u00fcr Neuere Geschichte in Siegen, fragte 2010 in einem Tagungsband &#8222;Computerspiele &#8211; Ein Thema f\u00fcr die Geschichtswissenschaft?&#8220; (Angela Schwarz (Hg.): &#8222;Wollten auch Sie schon immer pestverseuchte K\u00fche auf ihre Gegner werfen?&#8220; Eine fachwissenschaftliche Ann\u00e4herung an Geschichte im Computerspiel, M\u00fcnster 2010; S. 7-28 \/ Vgl. auch die <a title=\"Angela Schwarz: Wollten auch Sie schon immer pestverseuchte K\u00fche auf ihre Gegner werfen? @ LIT Verlag\" href=\"http:\/\/www.lit-verlag.de\/isbn\/3-643-10267-6\" target=\"_blank\">-&gt;2. u. erw. Aufl. 2012<\/a>). Sie stellte dort eigene Zahlen vor, die sie leider aber nicht in ein <strong>Verh\u00e4ltnis <\/strong>zum Gesamtmarkt setzte. Zudem legt sie mir nicht klar genug offen, was sie denn unter einem Spiel mit historischen Inhalten genau versteht. Zumindest aber belegen ihre Daten, dass &#8222;die Zahl der Neuerscheinung [&#8230;] stetig gestiegen [ist], ihre Popularit\u00e4t kontinuierlich gewachsen&#8220; (hier S. 10\/11).<\/p>\n<p>Ob Entwickler, die historischen Kontexten in ihren Spielen eine erhebliche Bedeutung einr\u00e4umen, selbst \u00fcber verschlossene Daten dar\u00fcber verf\u00fcgen, kann ich zur Zeit nur vermuten. Insbesondere bin ich schon lange auf der Suche nach belastbaren Zahlen, wie viele Spieler im Markt aus welchen <strong>Gr\u00fcnden<\/strong> an historisch inszenierten Spielen interessiert sind. Was verstehen sie unter Authentizit\u00e4t? Wollen sie unterhalten werden? Wollen sie etwas lernen? M\u00f6gen sie blo\u00df die Optik vergangener Epochen? Was genau ist der Grund, weshalb Entwickler und Publisher immer wieder auf historische Zusammenh\u00e4nge zur\u00fcckgreifen? Alle diese Punkte sind ungekl\u00e4rt und verlangen nach einer repr\u00e4sentativen Konsumentenbefragung.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Zahlen wird durch die Geschichtswissenschaft fahrl\u00e4ssig <strong>vernachl\u00e4ssigt<\/strong>, welch gravierend pr\u00e4gendere Rolle als andere Bildmedien Videospiele f\u00fcr die Erinnerungskultur haben, weil der Nutzer aktiv handelnd und interaktiv partizipierend Geschichte erf\u00e4hrt. Diesen Umstand kann man gar nicht \u00fcbersch\u00e4tzen, da somit die historische Inszenierung nur durch den Spieler und mit ihm zusammen integrativ und immersiv \u00fcberhaupt erst zustande kommt.<\/p>\n<p>Die Mikroepoche um den zweiten Weltkrieg ist eine sehr beliebte Phase bei Spieldesignern und Publishern. Auch in der Community ist sie mittlerweile wieder akzeptiert, nachdem sich zur Mitte der 2000er eine erhebliche <strong>\u00dcbers\u00e4ttigung<\/strong> eingestellt hatte. Oben sind bereits mit den Shootern ein paar bedeutende Beispiele wie <a title=\"Battlefield 1942 @ EA\" href=\"https:\/\/www.battlefield.com\/battlefield-1942\" target=\"_blank\">-&gt;Battlefield 1942<\/a> (Team-Taktik) oder <a title=\"Wolfenstein: The New Order @ ZeniMax Media\" href=\"http:\/\/www.wolfenstein-spiel.de\/\" target=\"_blank\">-&gt;Wolfenstein (Action)<\/a> gefallen. Der Reihe <a title=\"Company of Heroes  @ Relic Entertainment\" href=\"http:\/\/www.companyofheroes.com\/de_de\/\" target=\"_blank\">-&gt;Company of Heroes<\/a> dient das Szenario zur Strategie in Echtzeit, in dem Adventure <a title=\"Operation Wintersonne @ Sproing Interactive\" href=\"https:\/\/www.sproing.at\/\" target=\"_blank\">-&gt;Operation Wintersonne <\/a>kombinieren sich Spieler durch einen mit R\u00e4tseln gespickte Spionagethriller oder sie steuern in <a title=\"Silent Hunter V: Battle of the Atlantic @ Ubisoft\" href=\"http:\/\/www.ubi.com\/DE\/Games\/Info.aspx?pId=8103\" target=\"_blank\">-&gt;Silent Hunter<\/a> deutsche U-Boote auf Feindfahrt. Mittlerweile sammeln sich sogar Millionen von Spielern weltweit auf den Servern von <a title=\"World of Tanks @ wargaming.net\" href=\"http:\/\/worldoftanks.eu\/\" target=\"_blank\">-&gt;World of Tanks<\/a> oder <a title=\"War Thunder @ Gaijin Entertainment\" href=\"http:\/\/warthunder.com\/de\" target=\"_blank\">-&gt;War Thunder<\/a>, um in gro\u00dfen Schlachtfeldern mit Kriegsger\u00e4t der Vierziger Jahre aufeinander loszugehen.<\/p>\n<dl id=\"attachment_1875_4t6r\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 510px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\">httpvh:\/\/youtu.be\/KA-uWh3rN1M<\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Von der Geschichtswissenschaft schlicht zur Kenntnis zu nehmen ist, dass auch Videospiele das Dritte Reich mittlerweile vielschichtig thematisieren. (Wolfenstein: The New Order \/ Kanal Bethesda Softworks via Youtube)<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Die Genres sind aus geschichtswissenschaftlicher wie erinnerungskultureller Sicht f\u00fcr sich sehr interessant, funktioniert jedes doch nach speziellen <strong>Mechanismen<\/strong>, die jeweils die M\u00f6glichkeiten historischer Inszenierung bedingen. So ist es umso bedauerlicher, dass eine Aufsatzsammlung von 2009, die sich ausdr\u00fccklich mit \u00f6ffentlichen Darstellungen des Nationalsozialismus au\u00dferhalb der Geschichtswissenschaft befassen will, ausgerechnet den Bereich der Videospiele vollkommen ausklammert (Frank B\u00f6sch \/ Constantin Goschler (Hg.): Public History. \u00d6ffentliche Darstellungen des Nationalsozialismus jenseits der Geschichtswissenschaft. Frankfurt a.M. 2009).<\/p>\n<h3>Kanalisiert<\/h3>\n<p>Doch, so aufschlussreich eine Besch\u00e4ftigung damit w\u00e4re, geht es an dieser Stelle nicht um die Spiele selbst. Vielmehr soll der <strong>Bogen<\/strong> zur\u00fcck zu dem entstehenden Videokanal <a title=\"SiegHainTV @ Youtube\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/SiegHainTV\" target=\"_blank\">-&gt;SiegHain<\/a> und der Gemeinschaft der Spieler au\u00dferhalb der Spiele geschlagen werden. Dabei ist nat\u00fcrlich problematisch, irgendwelche tiefsch\u00fcrfenden Aussagen treffen zu wollen, wenn Literatur dazu nicht existiert, wie diese Gemeinschaft erinnerungskulturell zu greifen ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1986\" aria-describedby=\"caption-attachment-1986\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/KommentarSalat.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1986\" src=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/KommentarSalat.png\" alt=\"Abb.: Die Diskussion zu dem angek\u00fcndigten Kanal auf Youtube verlief bemerkenswert reif und differenziert. (Abb.: eigene Screenshot-Collage ausgew\u00e4hlter Kommentare bei Youtube)\" width=\"500\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/KommentarSalat.png 500w, https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/KommentarSalat-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1986\" class=\"wp-caption-text\">Abb.: Die Diskussion zu dem angek\u00fcndigten Kanal auf Youtube verlief bemerkenswert reif und differenziert. (Abb.: eigene Screenshot-Collage ausgew\u00e4hlter Kommentare bei Youtube)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Community aber, die sich <a title=\"Kommentare @ SiegHain via Youtube\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=RmZerX7Agkw\" target=\"_blank\">-&gt;unter dem Video in Kommentaren<\/a> ge\u00e4u\u00dfert hat, l\u00e4sst schon erste <strong>R\u00fcckschl\u00fcsse<\/strong> darauf zu. Die Diskussion war getragen von einer bemerkenswert sachlichen Auseinandersetzung darum, ob und in welcher Form ein solcher Spielekanal oder Videospiele an sich so mit der Geschichte umgehen d\u00fcrfen oder nicht. Trotz anonymer Usernamen lie\u00dfen sich unter den knapp 1000 Beitr\u00e4gen nur vernachl\u00e4ssigbar wenige Personen zu unqualifizierten Ausf\u00e4llen hinrei\u00dfen. Unter den lesenswerten Kommentaren der Mehrheit zeigten sich \u00e4hnliche Bedenken wie bei den oben genannten Beispielen auf Film und Papier, wohingegen die Bef\u00fcrworter Charly Chaplins <a title=\"Der Gro\u00dfe Diktator @ Piffl Filmverleih\" href=\"http:\/\/www.der-grosse-diktator.de\/\" target=\"_blank\">-&gt;Der Gro\u00dfe Diktator<\/a>, Vermes\u00a0<a title=\"Timur Vermes: Er ist wieder da! @ Bastei L\u00fcbbe Eichborn\" href=\"http:\/\/www.luebbe.de\/Eichborn\/Details\/Id\/978-3-8479-0517-2\" target=\"_blank\">-&gt;Er ist wieder da!<\/a> oder andere Medienerscheinungen als legitimierend heranzogen. Deren Tenor war, dass es sich bei dem Youtube-Kanal erkennbar um Satire handele, die &#8211; wie die dortige Diskussion ausweise &#8211; zum Nachdenken anrege.<\/p>\n<p>Aber die Gegner nennen im Gegensatz zu anderen Medien noch ein anderes Argument, warum Videospieler und Videospiele sich aus solchen Debatten lieber herausgehalten werden sollten. Der in den 2000ern h\u00e4ufig pauschalisierte Vorwurf von Medien und Instituten wie dem <a title=\"Kriminologisches Forschungsinstitut (KFN) - Offizielle Seite\" href=\"http:\/\/www.kfn.de\/home.htm\" target=\"_blank\">-&gt;Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN),<\/a> dass Videospiele Jugendliche verrohen und verdummen w\u00fcrden, manifestierte sich damals unter dem Label &#8222;Killerspiele&#8220; (siehe f\u00fcr einen \u00dcberblick die Webseite <a title=\"Stigma Videospiele - Offizielle Seite\" href=\"http:\/\/stigma-videospiele.de\/wordpress\/\" target=\"_blank\">-&gt;Stigma Videospiele<\/a>). Einige Nutzer, die das Video kommentierten, fanden es h\u00f6chst sch\u00e4dlich, dass Siegismund und Hain mit ihrem Beitrag <strong>Pulver<\/strong> auf die Flinten eben dieser Gegner von Videospielen liefern w\u00fcrden. Das ist eine Besonderheit des medialen Diskurses um die NS-Thematik, weil dies Film, TV und B\u00fcchern in diesem Kontext niemand ernsthaft unterstellen w\u00fcrde. So r\u00fcckte Fabian Siegismund in einer Antwort auf einen Kommentar dieses Bild sehr treffend zurecht, wie ein Auszug aus dem Wortwechsel nachstehend dokumentiert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1985\" aria-describedby=\"caption-attachment-1985\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/KommentarRavenFabian.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1985\" src=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/KommentarRavenFabian.png\" alt=\"Abb.: Siegismund (BattleBros.) verteidigte, dass Videospiele ein Kulturgut sein wie jedes andere und ein Recht auf Satire bestehe (Abb. eigener Screenshot der Kommentare bei Youtube)\" width=\"490\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/KommentarRavenFabian.png 490w, https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/KommentarRavenFabian-210x300.png 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 490px) 100vw, 490px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1985\" class=\"wp-caption-text\">Abb.: Siegismund (BattleBros.) verteidigte, dass Videospiele ein Kulturgut seien wie jedes andere und ein Recht auf Satire bestehe (Abb. eigener Screenshot der Kommentare bei Youtube)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die gro\u00dfe Nachfrage und best\u00e4tigenden Kommentare zu dem Video &#8211; und das ist die eigentliche Pointe zu dem Spot &#8211; f\u00fchrt jetzt tats\u00e4chlich dazu, dass <a title=\"SiegHainTV @ Youtube\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/SiegHainTV\" target=\"_blank\">-&gt;SiegHain<\/a> als sporadisches Format auf Sendung gehen wird. Ein Aprilscherz als <strong>Wiederg\u00e4nger<\/strong>, wer h\u00e4tte das gedacht. Bei den beiden Moderatoren scheint mir ein solches Format in guten H\u00e4nden zu sein, wie ich oben begr\u00fcndete. Nat\u00fcrlich: Man kann der Meinung sein, der gespielte Witz sei keine wirklich tiefgr\u00fcndige Satireform. Letztlich aber hat \u00fcber die Satire nicht zu entscheiden, ob sie jedem schmeckt. Einzig wichtig ist, dass sie keine verfassungs- und strafrechtlichen Belange verletzt und Opfer nicht verunglimpft. Mir scheint das hier nicht der Fall zu sein.<\/p>\n<p>Dass sich jedoch so ein Kanal bildet, und seine Moderatoren sich wie die Kommentatoren sachlich mit dem Video, mit der deutschen Geschichte und auch miteinander auseinandersetzen, zeigt, dass auch Videospiele sich in einen Diskurs setzten lassen, der dem etablierterer <strong>Medienformen<\/strong> in nichts nachstehen muss. Wie oben dargestellt, gibt es viele Ansatzpunkte, um den Themenkomplex des Dritten Reiches und seiner Akteure bei Videospielen sehr \u00e4hnlich dem Diskurs bei Filmen und B\u00fcchern in eine umfassendere Betrachtung der Erinnerungskultur einzubeziehen. Und doch habe ich an einigen Stellen angedeutet, dass digitale Spiele aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften wie Interaktivit\u00e4t, Partizipation und Immersion auch erinnerungskulturell anders zu diskutieren sind.<\/p>\n<p>Siegismund fordert in einem seiner Kommentare (s. Abb.), man habe in der Gesellschaft endlich zur Kenntnis zu nehmen, dass Videospiele kein &#8222;<strong>Kinderkram<\/strong>&#8220; mehr seien. Was hier in Bezug auf die Medienformate gemeint ist, muss man aber auch der Geschichtswissenschaft mit auf den Weg geben. Besonders in Deutschland, das ja auch gern mit der Trennung von Belletristik und Trivialliteratur kokettiert, herrscht unter vielen Historikern noch immer eine nasenr\u00fcmpfende Abwehrhaltung. Angesichts der Bedeutung dieser Medienform f\u00fcr breite Schichten der Gesellschaft, ist unter etablierten Historikern in den vergangenen Jahrzehnten besch\u00e4mend wenig unternommen worden, diesen Faktor der Erinnerungskultur fachlich nachzuvollziehen.<\/p>\n<p>Dabei fehlt es nicht an Einzelfallanalysen, sie entstehen jedoch oft im Rahmen von Qualifizierungsarbeiten des akademischen Ausbildungsprozesses. Damit sind sie nat\u00fcrlich in ihrem Umfang wie in ihrer Tiefe sehr beschr\u00e4nkt und rangieren unterhalb des <strong>Radar<\/strong>s der institutionalisierten Wissenschaftslandschaft. Gerade, weil hier zun\u00e4chst eine breite Bestandsaufnahme vonn\u00f6ten w\u00e4re, sind dies eigentlich Arbeiten, die im Rahmen ihrer M\u00f6glichkeiten in den Diskurs einzubringen sind.<\/p>\n<p>Seit Jahren weise ich auf die hier beschriebenen Defizite hin. Daher begr\u00fc\u00dfe ich es au\u00dferordentlich, wenn nun Fabian Siegismund und David Hain mit ihrem neuen Sendeformat einen <strong>Ansto\u00df<\/strong> aus einer anderen Richtung geben &#8211; n\u00e4mlich der des Untersuchungsgegenstandes selbst. Sie haben es geschafft, eine offene Flanke der historischen Wissenschaft aufzuzeigen. Wenn diese beiden also demn\u00e4chst wieder in den Bunker hinab steigen, wird es h\u00f6chste Zeit f\u00fcr die Geschichtswissenschaft ihren Bunker endlich zu verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0*<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Gamesredakteure werden von ihrer eigenen Chuzpe \u00fcberrumpelt Was k\u00f6nnte geeigneter sein, um meine neue T\u00e4tigkeit in der -&gt;Public History an der -&gt;Universit\u00e4t Hamburg einzul\u00e4uten, als sich mit dem j\u00fcngsten Aprilscherz zweier Branchenveteranen zu befassen, die schon geraume Zeit \u00fcber Videospiele berichten. Es k\u00f6nnte kaum ein besseres Beispiel daf\u00fcr geben, wie relevant es ist, sich &hellip; <a href=\"https:\/\/www.niconolden.de\/keimling\/?p=1960\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">KOMMENTAR: Bunkermentalit\u00e4ten<\/span> weiterlesen <span 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