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KOMMENTAR: Gibt’s das auch als Film? (Teil 3)

Teil 3 – Der digitale Tsunami


Schon lange hatte ich geplant, dem Spielejournalismus in seinen verschiedenen Formen, einen umfassenden Beitrag zu widmen. Der Artikel sollte vor allem die gegenwärtige Lage der Redakteure und TV-Produzenten kommentieren – mit einem Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum. In jüngster Zeit brechen sich nun zahlreiche Entwicklungen Bahn, welche dem Spielejournalismus rasant ein neues Gesicht verleihen.
Es ist höchste Zeit, dass mein Blog in einen Rundumschlag den gegenwärtigen Status zusammenfasst. Angesichts der Vielzahl von Veränderungen konnte dieser Überblick nur sehr lang werden. Daher erscheinen im Abstand von wenigen Tagen mehrere Blogbeiträge zu verschiedenen Facetten. Die Serie schließt mit einer Bewertung der jüngsten Veränderungen und einem ebenso vorsichtigen wie gewagten Ausblick.

In der Brandung

Die allgegenwärtige soziale Kommunikation hat nicht nur dazu geführt, dass sich Objektivisten zusammen rotten können und mit ihren vereinfachten Haltungen die digitale Welt korrumpieren. Grundsätzlich schlug die Digitalisierung wie eine Dampframme in alle gesellschaftlich und wirtschaftlich relevanten Bereiche ein. Der Journalismus verlor seine Torwächterfunktion über Wissen und Meinungen und musste sich gegen eine nie gekannte Meinungsvielfalt behaupten. Wohl gemerkt: „Meinungen“ – die sind nicht immer dasselbe wie wohlüberlegte Argumente.

Von jeher hatten es im deutschsprachigen Raum Magazine nicht leicht, die digitale Spiele umfassender mit ihrer Spielekultur betrachteten – und nicht nur ihre Mechanik und Technik wie bei einem aufgebockten Auto. Nun aber, mit dem Anschwellen der digitalen Flut wurde es nicht unbedingt einfacher, sich standfest im durchgerüttelten Markt zu behaupten. Auflagen sanken, Werbekunden verschwanden ins Netz, gründlich recherchierte Informationen gerieten ins Hintertreffen gegenüber Nachrichtenschnipseln, die sich rasend schnell verbreiteten. Jeder scheint seither das Gefühl zu haben, schreiben, filmen und vertonen zu können – und das ganz ohne Ausbildung. Donnerwetter.

Davon betroffen waren zahlreiche Magazine. Einige suchten nach Wegen, gegen die Brecher der Strömung zu steuern – mit unterschiedlichen Ansätzen und unterschiedlichem Erfolg. Dieser Teil der Beitragsreihe befasst sich daher mit ein paar ausgewählten Schlaglichtern, die sich mal mehr, mal weniger gut in der Brandung behaupteten…

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Das Hamburger Magazin GEE war lange ein Vorzeigemodell für einen soziokulturell aufgeschlossenen Umgang mit digitalen Spielen – bis der digitale Tsunami sie hinwegfegte. (Abb.: eigenes Foto)

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NEWS: Life Hack

Eine einmalig gute Werbeaktion für Watch_Dogs

->Ubisoft hat für sein Open-World-Spiel ->Watch_Dogs einen besonders einfallsreichen Werbefilm gedreht – angeblich mit nicht eingeweihten Passanten in Chicago. Der Trailer treibt die Möglichkeiten des am 27. Mai erscheinenden Hacker-Blockbusters im realen Leben auf die Spitze. Die Stadt wird der Schauplatz des Technologie-GTAs sein. Diese Reklame ist wirklich mal sehr sehenswert.

Mit der Hackerapp das öffentliche Kommunikationsnetz manipulieren – willkommene Allmachtsphantasien von Passanten, die in den Werbeblock von Watch_Dogs geraten sind. (AMAZING STREET HACK / Kanal Ubisoft via Youtube)

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NEWS: Laufen gegen Hirnschwund

Gegen die Untoten-Apokalypse mit „Zombies, Run!“ und „ARG Zombies“

Der Morgen schien eigentlich ganz schön. Nebel waberte über die Weiden, der Fluss dampfte und frische Luft füllte die Lungen. Es hätte so schön sein können, wenn nicht dieses zermürbende Gelärme gewesen wäre. Überall. Da hält man sich sein Leben lang mit Sport fit, nur um jetzt jeden Tag das eigene Hirn vor den schlurfenden Untoten zu retten.

Wer nicht läuft, wird angeknabbert...
Wer nicht läuft, wird angeknabbert...

„Dort da vorn!“ schreckt eine Stimme aus dem Trott. „Greif Dir die Medizin und dann nichts wie in Sicherheit.“ Als die Sprecherin aus dem Headset verstummt, scheint das Zombieheulen lauter und damit näher zu sein. Entsprechend hastig fällt der Rückweg aus. Als die Tür ins Schloss fällt, entströmt die pure Erleichterung zischend aus den Lungen.

„Willst Du Deinen Stützpunkt ausbauen?“ Diese Stimme. „Gleich, verdammt, lass mich erst verschnaufen.“ Doch für Pausen ist wenig Zeit mitten in der Zombiekalypse, mit welcher der Entwickler ->Six to Start von ->“Zombies, Run!“ dem Spieler nicht nur den Laufsport aufpeppen will.

...oder räumt seine Nachbarschaft auf.
...oder räumt seine Nachbarschaft auf.

Gleiches gilt für das ->“ARG Zombies“ von „Tando“, das sich allerdings nicht auf den Fitnessaspekt versteift. Dort bewegen sich Spieler durch ihre reale Umgebung, mit schlurfenden Hirnschlürfern und allerhand nützlicherem Zeugs angereichert, und knüpfen Kontakte mit Gleichgesinnten. Glücklicherweise handelt es sich ja in beiden Fällen nur um Alternate Reality Games (ARG) für solche Menschen, die sich in ihrem Alltag noch nicht genug verfolgt fühlen… Und über ein iPhone, iPad, iPod oder ein äquivalentes Android-Produkt verfügen …

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DIGITAL GAME-BASED LEARNING: Stolpersteine

iPhone-App reichert Gedenkklötze mit Informationen an

Verschiedenste Schicksale verbergen sich hinter den unaufdringlichen Steinen, die häufig im Trottoir ehemals von jüdischen Einwohnern bewohnter Stadtteile im Sonnenlicht glänzen. Die ->“Stolpersteine“ markieren in 415 Städten allein in Deutschland und darüber hinaus auch in Europa Wohnorte von Menschen, die zwischen 1933 und 1945 aus ihren Häusern und aus ihrem Leben gerissen wurden – gedemütigt, deportiert und ermordet.

Darüber stolpern nur iPhone-Kunden
Darüber stolpern wohl nur iPhone-Kunden

Der Künstler Gunter Demnig schafft mit den in Gehwege eingelassenen Messingwürfeln besondere Gedenkorte für die Männer, Frauen und Kinder, die sich hinter den gesichtslosen Zahlen der Massenvernichtung durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Verbündeten verbergen. „Hier ist der Ort, wo Eure Vorfahren mich abholten“, mahnen die Steine den Betrachter, trotzdem blieben die Schicksale dahinter bisher konturlos.

Für mehr als die reinen biografischen Daten sowie Ort und Zeitpunkt der Ermordungen boten die kleinen Messingoberflächen einfach nicht genügend Platz. Nun hilft eine iPhone-Applikation diesen Schicksalen eben genau das Leben einzuhauchen, aus dem Nazi-Schergen die Betroffenen vor mehr als sechzig Jahren rissen – doch ist das schon genug? (…)

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